Aufsatz 
Caesar in Aegypten (48/47 v. Chr.). Historisch kritische Untersuchung / Heinrich Jung
Entstehung
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es gelingt ihm, die Agypter von der Meeres- und Flussseite gleichzeitig zu überfallen und so ihr Abschliessen des Nil aufzuheben; 2. er stürmt Pelusium und nimmt es. Zu 1. sei Folgendes bemerkt. Der Kanal, mit Hülfe dessen Mithridates in den Nil hinauffährt, lässt sich nicht genau bestimmen. Nach Strab. XVII, 1, 4 ist das ganze Delta von fahrbaren Kanälen durchschnitten, nach XVII, 1, 24 gab es auch Kanäle ausserhalb des Delta oberhalb von Pelusium, doch ist nicht gesagt, ob diese mit dem Nil in Verbindung standen ¹). Jedenfalls benutzte Mithridates einen Kanal innerhalb des Deltas.

Um den zweiten Teil der Operation des Pergameners zu verstehen, muss man sich zunächst die Lage von Pelusium klar machen. Nach Strab. XVII, 1, 21 lag es mehr als 20 Stadien vom Meere entfernt und war rings von Sümpfen und Marschland umgeben. Diese werden wohl mit dem Nil in Verbindung gestanden haben; die Stadt selbst lag nicht am Nil. Jetzt ist diese Gegend trocken. Um eine so gelegene Stadt einnehmen zu können, musste neben dem Fussheere, das Mithridates auf seinen Schiffen mitführte und mit dem er später seinen Marsch nach Alexandria antrat, auch die Flottenmannschaft eingreifen. So erklärt sich der Ausdruck bei Dio a. a. O. 1 16, Aαα νlν Q ναάνονυνακν τποοσραααν.

In der Darstellung dieses Gegenstandes stehen sich also das b. Al. und Josephus einerseits und Dio andererseits einander gegenüber: jene berichten nur von dem Marsche des Mithridates zu Lande und seiner Pinnahme von Pelusium, eine Flotte erwähnen sie nicht, dieser lässt Mithridates zu Wasser kommen, die Flusssperre aufheben und die Stadt nehmen. Wem Dio seine Art der Erzählung entlehnt hat, ob er mehr oder weniger Glaubwürdigkeit als die anderen Autoren verdient, ist nicht zu entscheiden.

Wir gelangen zu der Frage, welchen Weg Mithridates von Pelusium bis zu seiner Vereinigung mit Cäsar zurückgelegt hat. Auch bei dieser Untersuchung soll zunächst jeder Bericht für sich genommen, erklärt und auf seine innere Glaubwürdigkeit geprüft, sodann das Verhältnis sämt- licher Darstellungen zu einander beleuchtet werden. Beginnen wir mit dem bell. Al., wo es 26, 3 heisst: Inde(von Pelusium) Alexandriam ad Caesarem contendit(Mithridates). Mithridates hatte es also eilig, denn Cäsar brauchte Hülfe, welchen Weg er aber(Alexandriam) eingeschlagen hat, wird nicht gesagt. Auf seinem Eilmarsche musste Mithridates verschiedene Gegenden durch- ziehen, er gewann sie auf friedliche Weise für Cäsar(b. Al. a. a. O.). Sodann lesen wir 27, 1: Locus est fere regionum illarum nobilissimus non ita longe ab Alexandria, qui nominatur Delta und 27, 3 Cui loco cum appropinquare Mithridaten rex cognovisset et transeundum ei flumen sciret... Nachdem Mithridates jene Gegenden, die er beruhigte, hinter sich hatte, näherte er sich einer Ortlichkeit, welche wohl die bekannteste von jenen Gegenden war, nicht gar weit von Alexandria entfernt, dem sogenannten Delta. Als dies der König Ptolemäus hörte und da er wusste, dass der Feind einen Fluss(natürlich einen, der das sogenannte Delta begrenzte, vgl. 27, 5) zu überschreiten hatte, so schickte er Truppen gegen ihn ab. Schon der Zusammenhang verbietet, unter dem Delta das grosse, von dem kanobischen und pelusischen Nilarm umschlossene Gebiet zu verstehen: Mithridates war von Pelusium im Eilmarsch gegen Alexandria aufgebrochen, hatte gewisse Gegenden bereits durchzogen und näherte sich nunmehr dem Delta. Auch der Ausdruck spricht dagegen, dass der Berichterstatter an das grosse Delta gedacht habe: mit locus kann nicht

¹) Der Annahme Judeichs, S. 93:Mithridates zieht bei Nacht einen Teil seiner Schiffe über den Strand hinüber in den alten Kanal nach dem roten Meere, fährt von Süden oder Südwesten in den pelusischen Arm ein widerspricht u. a. der Ausdruck des Dio: zuůνse& 10 Ne⁴don dveᷣndevge, der ein Einfahren in den Nil von Norden nach Süden und nicht umgekehrt voraussetzt.