Aufsatz 
Caesar in Aegypten (48/47 v. Chr.). Historisch kritische Untersuchung / Heinrich Jung
Entstehung
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Abschnitt II.

Bis zum Tode des Pothinus.

Nach allen Quellen ist Pothinus derjenige, der den Krieg gegen Cäsar in Scene gesetzt hat: er schickte einen Boten an Achillas, den Kommandeur der königlichen Truppen bei Pelusium, gewann ihn und forderte ihn auf, mit dem Heere nach Alexandria zu kommen(Caes. b. c. III, 108, 2, Dio XLII, 36, 2, Lucan. X, 345 ff.). Wie Cäsar a. a. O. schreibt, fand Pothinus Anhänger für seinen Plan durch den Hinweis auf die Einmischung des Römers in die ägyptischen Thron- streitigkeiten, nach der livianischen Tradition gab allen Aegyptern, die unter Waffen standen, zum Handeln den Ausschlag die Befürchtung, es möchte mit der Zeit die Herrschaft an Kleopatra allein fallen: so Dio 26, 3, und derselbe Gedanke liegt zu Grunde den kurzen Worten bei Flor. II, 13, 58 quam(Cleopatram) ubi Caesar reslitui iussit in regnum, statim ab lisdem percussoribus Pompei obsessus.... und bei Liv. per. CXII Caesar-Cleopatram in regnum dAegypti reduwit et inferentem bellum Plolemaeum.... Als die Kunde, Achillas nahe mit dem Heere heran, nach Alexandria kam, liess Cäsar eine Gesandtschaft an ihn abgehen. Nach Caes. 109, 3 5 waren die Gesandten zwei vornehme Leute aus der Umgebung des Königs, Dioscorides und Serapion; sie sollten im Namen des Königs auftreten und seinen Willen kundthun. Achillas hörte sie aber nicht einmal an, sondern liess beide niederstossen. Der eine wurde nur verwundet, der andere aber getötet. Bei Dio 37, 12 werden die Namen der Gesandten zwar nicht genannt(&τeν⁸ε 1 ακς]), aber auch hier treten sie im Namen des Königs Ptolemäus auf, der dem Achillas gebietet i guxixν dyenr. Doch Achillas hörte nicht darauf, er versammelte vielmehr die Soldaten(rodue œroοœzαα νenfpxνε) und reizte diese in einer Rede zur Ermordung der Gesandten. In Details weicht Dio von Cäsar ab.

Zum Beweise dafür, dass Dio a. a. O. Livius als Quelle benutzt hat, wird auf diegenaue Übereinstimmung, die zwischen ihm und Oros. VI, 15, 30 bestehe, hingewiesen ¹). Aus Orosius § 29 müssen wir zunächst entnehmen, dass es Pothinus gelang, den Achillas für sich zu gewinnen (vgl. oben), daher dachte dieser, wie er den Pompeius tötete, auch an des Cäsar Untergang. Es folgt die Begründung: nam iussus ewercitum dimittere, cui pracerat, non modo sprevit imperium, verum et aciem direxit. Es unterscheiden sich hiernach Dio und Orosius dadurch, dass bei ersterem die Gesandten dem Achillas befehlen νꝙ νσωix yeiwv, bei dem letzteren exercitum dimiltere. Aus Caes. b. c. III, 107, 2 wissen wir allerdings, dass Cäsar damals, als er den Streit zwischen Kleopatra und Ptolemäus zu schlichten bemüht war, von beiden Parteien verlangte exercitus, quos haberent, dimittere. Ein solches Ansinnen kann aber nicht mehr an einen auf dem Marsche

¹) Heimbach, S. 25, Judeich, S. 26.