Aufsatz 
Caesar in Aegypten (48/47 v. Chr.). Historisch kritische Untersuchung / Heinrich Jung
Entstehung
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dem Akte der Schuldeinziehung überhaupt, dessen Uberlieferung auf Livius zurückgeht(S. 8), sie erhält aber ihre Beleuchtung erst durch Oros. VI, 15, 29:(Caesar) eludebatur a tutoribus, quominus pecuniam acciperet, lempla sua astu spoliantibus, ut et regios thesauros vacuos esse osten- derent et in invidiam Caesaris populum concitarent d. i.(Cäsar) wurde von den Vormündern verhöhnt (zum besten gehalten), damit er desto weniger das Geld bekam, indem sie ihre Tempel in schlauer Weise plünderten, um zu zeigen, dass die königlichen Schatzkammern leer seien, und um das Volk zum Zorn gegen Cäsar aufzureizen. An dieser List musste Pothinus als Verwalter des Staatsschatzes (Dio 36, 1) am meisten beteiligt gewesen sein. Worin bestand nun das Caesar eludebatur a tutoribus? Diese plünderten die in den Tempeln befindlichen Staatskassen, es war also scheinbar kein Geld da, um Cäsars Forderung befriedigen zu können; gleichzeitig reizten sie dadurch das Volk gegen Cäsar auf, als ob durch eine Zahlung an ihn die Kassen leer geworden seien. So hatte Cäsar den Hohn der Vormünder doppelt zu empfinden: er bekam kein Geld und sah sich dennoch bei den Alexandrinern verhasst. 1

Einen ähnlichen Versuch des Pothinus, Cäsar mit den Alexandrinern zu verfeinden, erzählt Plutarch Caes. 48: zu den Mahlzeiten(jedenfalls des königlichen Hofes) liess Pothinus hölzerne und irdene Geschirre verwenden, indem er vorgab, Cäsar habe alle goldenen und silbernen für eine Schuld. Auch hier handelt es sich um die Entrichtung der rückständigen Schuld, auch hier sollen die Alexandriner gegen Cäsar aufgereizt werden, der, wie das ⁴o bei. ½οννπαοες andeutet, möglicherweise jene Gefässe gar nicht erhalten hat(man denke an eludebatur bei Oros. a. a. O.). Kurz vorher zeigt Plutarch a. a. O., wie spöôttisch Pothinus die römischen Soldaten behandelte, denen er das älteste und schlechteste Getreide zumass. Aus Oros. a. a. O. geht hervor, dass Livias erzählte, wie die Vormünder des Königs, in erster Linie Pothinus, die Alexandriner durch Worte und Thaten aufzureizen suchten. Plutarch sagt Caes. 48: harvebus(IIodεκννοε) our 7 dν̈ᷣτος erig ova ro⁵d α ros ögoir eilc ν Kœldo 2eνον exd odεrre und bringt zwei Beispiele, die das von Orosius gegebene ergänzen. In gleichem Sinne ist die hochmütige Bemerkung des Pothinus gegen Schluss von Kap. 48 aufzufassen. Man darf also vermuten, dass Plutarch Caes. 48 alles, was er von Pothinus erzählt, dem Livius verdankt. Aber Pothinus begnügte sich nicht mit der Verhetzung des alexandrinischen Volkes und kleinlichen Ränken gegen Cäsar, er trachtete dem Diktator selbst nach dem Leben. Dies geht deutlich aus der auf Livius zurückgehenden Tradition hervor(Lucan. X, 101, 332 ff., Vell. Pat. II, 54, Flor. II, 13, 57, Entrop. VI, 22; cf. Suet. div. Iul. 35) ¹). Spuren dieser livianischen Uberlieferung lassen sich auch bei Plut. Caes. 49 erkennen: der Versöhnung der Geschwister folgt ein Mahl(ebenso bei Lucan. X, 107 f.), dabei erfährt Cäsar den gegen seine Person geplanten Anschlag(eriεοισανν, insidias Flor. a. a. O., Entrop. a. a. O.). Das Ubrige ist historisch unrichtig: Pothinus wurde nämlich erst später getötet und Achillas war bis zum Ausbruch des Kampfes stets in Pelusium.

¹) Judeich, S. 26, vergleicht mit Lucan. X, 333 ff. Oros. VI, 15, 30, der aber hier nicht von Pothinus, sondern von Achillas spricht.