Wir haben für die Darstellung dieses Gegenstandes noch Plutarch einer Prüfung zu unter- werfen. Dieser führt(Caes. 48) hinsichtlich der Entstehung des alexandrinischen Krieges zwei Uberlieferungen an: nach der einen war der Krieg nicht notwendig, sondern ist durch die Neigung des Cäsar zu Kleopatra entstanden, nach der anderen verschuldete ihn Pothinus, der ein heimlicher und offener Gegner des Cäsar war. Der charakteristische Unterschied zwischen beiden UÜberlieferungen muss darin bestehen, dass die erstere die Hauptschuld an dem Ausbruch des Krieges dem Cäsar, die zweite dem Pothinus zuschreibt. Wie es scheint, folgt Plutarch a. a. O. zunächst der zweiten Uberlieferung und schildert nach ihr bis zum Schlusse des Kapitels die Umtriebe des Pothinus gegen Cäsar. Die Schlussworte bilden den UÜbergang zu Kap. 49, wo von Kleopatra die Rede ist, wie es scheinen kann, nach der ersten Uberlieferung. Soweit wir diese beiden Uberlieferungen mit der noch vorhandenen(Quellenlitteratur vergleichen können, sind es die Kommentarien des Cäsar, die Pothinus allein für den Ausbruch des Krieges verantwortlich machen; in ihnen befindet sich aber nicht eine einzige von den Handlungsweisen des Pothinus verzeichnet, die Plutarch c. 48 scheinbar nach der 2. Ueberlieferung erzählt. Die Schriftsteller, die von dem Besuch Kleopatras bei Cäsar und ihrem Erfolge erzählen, stellen, wie wir oben gesehen haben(S. 9), die livianische Tradition dar. Auch Plutarch(c. 49) widerspricht ihr nicht, wenn man vergleicht: drdrτιονι νυmeαων mit parva biremi(Lucan X, 56), mον συασνεαεονιοο mit vvxröe(Dio 34, 6), d1α⁵αeια 1τοςσ e ddεν ⁴ς νμ⁵οdeνσονασαν mit rννε IIroleᷣuναon uεrarrsuναάασννρα να συeddxεσφe⁵ sανηεαν (Dio 35, 1). Nur eins hat Plutarch allein, das 7roααιον ταεᷣννμα, was aber immerhin nicht hindert, diese Partie(49,§ 1) auf Livius zurückzuführen. Man könnte daraus den Schluss ziehen, dass Plutarch unter jener ersteren Uberlieferung, die dem Verhältnis des Cäsar zu Kleopatra die Schuld an dem Kriege zuweist, Livius versteht ¹), doch ist dieser Schluss falsch. Denn auch Livius kennt so gut wie Cäsar die feindselige Thätigkeit des Pothinus(siehe unten), schildert sie noch ausführlicher. Was Plutarch von dem Eunuchen Kap. 48 erzählt, lässt sich auf die livianische Tradition zurückführen(s. unten). Nach Livius veranlasste ebenso Pothinus wie Cäsar den Krieg. Man kann also unmöglich Livius zu den Schriftstellern rechnen, die Plutarch mit den Worten 10„ rr*εᷣαιαον οε μι—1 20mHKsodroaœ— veνε̈ς αι 2ω̈wl kennzeichnet. Wir haben schon oben(S. 8) eine Notiz in Kap. 48 auf Livius zurückgeführt. Das in§ 3 und 4 und 49,§ 1 Erzählte verträgt sich ebenfalls mit der livianischen Darstellung. Plutarch scheint also in der Erzählung des alexandrinischen Krieges Livius gefolgt zu sein. Dieser kann bereits jene doppelte Uberlieferung hervorgehoben haben, ohne einer ausschliesslich zu folgen. Ebenso macht es Plutarch: er erwähnt beide Uberlieferungen und schliesst sich auch beiden an. Die Wendungen 0d ⁴μέιν ‿eωοοσ* 0 dε—- lru‿ντα, τοννι τποσαιυινιν ı̈veraꝭ ετ⁷c,0QO;wsxn,suxz hätte er dann in entsprechender Weise bei Livius vorgefunden ²).
¹) Judeich, S. 45 ff., meint, die 1. Überlieferung bei Plutarch sei Livius. den dieser für 49, 1 direkt benutzt habe, die 2. sei Strabo, der XVII., p. 796 schreibt; smπααια ϑ‿ KArεαα τ ⁴μεαιςαμιον ϑαμεοει νεκάα νααάνεςστσιοσι 1i Aipuνnrov Scσαυh ri]v KAsondrOœr, aercneud μεᷣνοο ετ rijc ꝙupfe; wie bei Plut. 48 Schluss lasse auch bei Dio Cäsar Kleopatra holen, gehe von diesem die Initiative aus, wie der Ausdruck ueranéunsoœ beweise. Doch ist der geschichtliche Inhalt der Darstellung Strabos mit Vorsicht aufzunehmen, da die zeitliche Aufeinander- folge der Ereignisse nicht eingehalten ist: Ptolemäus ist nach Strabo schon tot, bevor Kleopatra gerufen und als Königin eingesetzt wird, statt umgekehrt. Dann schliesst doch der Ausdruck uerænéunegda nicht aus, dass eine Bitte der Kleopatra vorausgegangen ist; vgl. Dio XLII, 34, 6: Arijoaxr 18 oOdv&s 5 οαυ‿ ατoν ελνσεμεν εαά ν αᷣ (Cäsar schickte also zu Kleopatra und gestattete ihr zu kommen.)— 6&σmααεν; vgl. auch Schwartz a. a. O., Sp. 235.
¹) Judeich, S. 69, meint, die Ankunft der Kleopatra in Alexandria bestimme sich auf ungefähr Ende Oktober, Stoffel, II., S. 430, verlegt sie auf den 15. Oktober; vgl. S. 11, Anm. 1.


