Aufsatz 
Caesar in Aegypten (48/47 v. Chr.). Historisch kritische Untersuchung / Heinrich Jung
Entstehung
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7 seinen Gegner und Rivalen wo möglich ganz zu vernichten(8, 3). Hier übt der Historiker eine selbständige Kritik ¹).

Der bis dahin besprochenen ÜUberlieferung steht die Darstellung des Cäsar selbst gegenüber. Dieser berichtet von allen diesen Dingen nichts, er merkt nur kurz b. c. III, 106, 4 an: Alexan- driae de Pompei morte cognoscit. Diese Kunde empfing er noch vor seiner Landung, wie aus dem Zusammenhang zu schliessen ist. Nachdem ihn der königliche Berater aufgesucht hatte, verlor Cäsar jegliche Scheu und brachte entschlossen seine Soldaten auf das Land so Dio XLII, 7, 3 und Lucan X, 9 f. nach Livius.

Einstimmig berichten Cäsar und die auf Livius zurückgehenden Schriftquellen, die Alexandriner hätten sich, durch die Fasces, die den einziehenden Römern vorangetragen wurden, beleidigt, zusammengerottet(Caes. b. c. III, 106, 4, Dio XLII, 7, 3, Liv. per. CXII, Lucan. X, 11 f.). Diesen Vorgang erledigt Cäsar mit den Worten hoc sedato tumultu(106, 5). Nach Dio a. a. 0. wurden aber einigen Soldaten die Waffen abgenommen, und die übrigen gingen wieder an Bord, bis sämtliche Schiffe ans Ufer fuhren. Cäsar bezog die königliche Burg. Auch diesen Vorgang bringt Cäsar sehr vorsichtig zur Sprache, indem er III, 112, 8 sagt: in quam(sc. regiam) habitandi causa inductus erat. Nach Dio aber a. a. O. απυςσ ε&ς τ αεποłαεᷣ vys verlief der Einzug stürmischer. Man vergleiche damit die Worte der livianischen Perioche nec sine periculo Alexan- driam intravit. Auch kann man bei Oros. 15, 29 cumque se in regiam recepisset an ein Retirieren denken, und Lucan. X, 55 f. sagt tutus in aula Caesar erat. Wir sehen: Cäsar verschweigt in seinem Werke für ihn unangenehme Einzelheiten, die wahrscheinlich Livius erzählt hat.

Die Zusammenstösse der Alexandriner mit den Römern setzten sich in den nächsten Tagen (continuis diehaus, Caes. III, 106, 5) fort, bis durch die Ankunft des Königs Ptolemäus, wie es scheint(Lucan. X, 53 f.), für den Augenblick eine Beruhigung der Gemüter eintrat ²).

Wir gelangen nunmehr zu der Frage, was Cäsar bewogen hat, in Agypten zu bleiben, welche Umstände den für ihn so gefährlichen Krieg heraufbeschworen haben. Beginnen wir mit dem, was der Feldherr selbst darüber seinen Tagebüchern anvertraut hat. Er versichert III, 107, 1: ipse enim necessario etesiis tenebatur, qui navigantibus Alexandria flant adversissimi venti. Es verträgt sich durchaus mit der Wirklichkeit, dass um diese Zeit die Etesien(Nord- oder Nordostwind) wehten. Vgl. Straboε. XVII, 1, 7 extr. röre(i. e. ϑε⁴έ) ακαά ot Srνανσππηνεενιονσν,εένκέευνν 5Ʒοεεανω œ‿ τονν τοσονντον τε̈ννς, dore ανμσιαασα τν ϑεο εεεαdοσεε dεαωeονασνν⁵).

Cäsar geht nunmehr zur Auseinandersetzung dessen über, was er in der Zeit seines unfrei- willigen Aufenthaltes in Agypten gethan hat. Es ist hierbei III, 107, 2 mit 108, 3 und 4 zusammenzuhalten.

Die beiden regierenden Geschwister Ptolemäus und Kleopatra waren in ernstliche Feindselig- keiten geraten. Als sich Pompeius Agypten näherte, war Kleopatra von dem jüngeren Bruder vertrieben worden(b. c. III, 103, 2; ebenso Dio XLII, 3, 1, App. II, 84, Liv. per. CXI. Plut. Pomp. 77). Diesen Streit wollte Cäsar nach seiner Angabe III, 107, 2 schlichten und glaubte

¹) Vgl. die Charakteristik Dios bei Wachsmuth S. 599.

²) Judeich, S. 66, verlegt die Ankunft des Königs von Pelusium in Alexandria auf Mitte Oktober, Stoffel, S. 430, genau auf den 12. Oktober. Auf solche chronologische Details wird in dieser Abhandlung nur eingegangen, wenn sie nicht auf subjektiver Vermutung beruhen, sondern eine bestimmte Unterlage haben.

³) Duncker, Gesch. d. Altertums, I., 3. Aufl., Berlin 1863. S. 6:Acht Monate hindurch(von Mitte Juni bis Mitte Februar, vgl. dazu Baedeker, Agypten, 4. Aufl., Leipzig 1897, S. LXXVIII) wird das ganze nach dem Mittel- meer geöffnete Thal von erfrischenden Nordwinden durchweht, welche zugleich die Schifffahrt gegen den Strom erleichtern. Vgl. auch Judeich S. 72, wenn auch der Zweck seiner Berechnung ein verfehlter ist.