Aufsatz 
Caesar in Aegypten (48/47 v. Chr.). Historisch kritische Untersuchung / Heinrich Jung
Entstehung
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Appian, der letzte aus der Reihe der oben zusammengestellten Schriftsteller, ist am kürzesten, doch in seiner Fassung der des Plutarch sehr ähnlich. Auch er erwähnt in Ubereinstimmung mit anderen von Livius abhängigen Schriftquellen, dass Cäsar das Haupt des Pompeius habe bestatten lassen. Die Art und Weise, wie er die einzelnen Momente von dem Ausgange des Pompeius darstellt, ist livianisch ¹). Vgl. auch oben S. 4. Die Notiz, um die es sich hier handelt, steht in unmittel- barem Zusammenhange mit der Erzählung von dem Ende des Pompeius, es liegt deshalb nahe, dass auch sie livianischen Ursprungs ist. Gegen diese Annahme kann nicht etwa eingewendet werden, Appian berichte in c. 89 4σeεκενπνσαι[εαν⁶υν τον μαμααρdες ειοονεενονιτιεές ³). Mit&26ενονιxν es lassen herein, d. i. in die Stadt, wird das ausgedrückt, was auch wirklich stattfand, denn nach der livianischen Überlieferung hat Cäsar erst, nachdem der königliche Gesandte ihn aufgesucht hatte, das Festland betreten. An dem Pluralis of ærrrroorreuovres ist umsoweniger Anstoss zu nehmen, weil sich hier Appian einer gewissen Kürze befleissigt, indem seine reoν yunrov guyyαi] sich mit dem Einzelnen mehr befasste(vgl. II, 90). Es ist wohl als unwahrscheinlich anzusehen, dass Appian den Livius direkt benutzt hat ³), welche vermittelnde Quelle er aber dann vor sich hatte, lässt sich bis jetzt durch Argumente nicht nachweisen, nur so viel dürfte feststehen, dass diese eine lateinische gewesen ist).

Werfen wir noch einen Blick auf das charakteristische Gepräge der in Prage stehenden Erzählung.

Casar wird als Mensch vorgeführt, der bei dem Anblick der Überreste seines einstigen Schwieger- sohnes zu Mitleid und Thränen gerührt wird. Man fühlt die Tendenz heraus, den mächtigen Imperator in ethischer Beziehung zu kennzeichnen. Es stimmt dies vollständig überein mit der Schreibweise des Livins, dessenHauptstärke besteht in der Schilderung von Vorgängen, Stim- mungen und Persönlichkeiten(Teuffel) 5). Trotzdem Livius von Gesinnung ein Pompeianer war (vgl. Tac. ann. IV, 34), so hat er doch Cäsar dieses Denkmal eines edelmütigen Maunes gesetzt. Valerius Maximus, der Günstling des Sext. Pompeius, des Konsuls vom Jahre 14 n. Chr.(vgl. II, 6, 8), hat diese Erzählung sogar in das Kapitel de humanitate et clementia aufgenommen. Während bei Valerius Maximus, Plutarch, Appian und den Epitomatoren uns die Darstellung des Livius rein entgegentritt, bekam sie durch Lucan und Dio eine eigentümliche Beimischung. Die ent- schiedene Parteinahme des ersteren für Pompeius ist bis zur Lächerlichkeit gesteigert. Nach ihm verurteilte nicht Cäsar beim ersten Anblick das Geschenk des Ptolemäus(IX, 1035), er wandte nicht die Augen ab(v. 1036, vgl. dazu die Anm. v. Weise), seine Thränen sind erheuchelt(v. 1038 ff.). Dio lobt an Cäsar, dass er den Kopf des Pompeius habe bestatten lassen, tadelt aber die Trauer desselben als Verstellung(XLII, 8, 2): Cäsar sei nur nach Agypten gekommen, um

musste K. u. a. voraussetzen, dass Livius den Pollio benutzt hat, was doch nur auf einer blossen Annahme beruht. Ferner ist es auffallend, dass Plutarch für dieselbe Periode zwei Schriftsteller, Pollio und Livius, gleichzeitig benutzt haben soll, von denen nach derselben Ansicht der zweite den ersten ausgeschrieben hat. Über Appian s. S. 6 mit Anm. 3 u. 4. Vgl. auch S. 24, Anm. 4.

¹) Judeich, S. 39.

¹) Heimbach sagt S. 22: Nam ut Appianum praeteream, falso(?) narrantem benigne(Gteht nicht bei Appian) Caesarem a Pliolemaeo rege(falsch, denn Appian fügt bei: ért τν ασαεέοο το KA6dιν ⁶ντοε) esse ewceptum.

³) Schwartz in Paulys Real-Encyklopädie, herausgegeben von Wissowa, I. Sp. 222, 226.

¹) Schwartz a. a. O. Sp. 233 ff. Judeich behauptet S. 44, dass Appian in der Darstellung von Pompeius Flucht und Tod Strabo genau gefolgt, und S. 47, dass er auch für den alexandrinischen Krieg seiner griechischen Quelle, d. i. Strabo, treu geblieben sei. Diese Hypothese wird von Schwartz a. a. O. Sp. 235 ff. gründlich zurückgewiesen und für abgethan erklärt. Vgl. auch S. 5, Anm. 4.

) Vgl. auch C. Wachsmuth S. 591 f.