5 Dass Valerius Maximus das Geschichtswerk des Livius unmittelbar und vorzugsweise für seine Beispielsammlung benutzt hat, ist erwiesen und unbezweifelt ¹). Es sei hier noch besonders auf die sprachliche UÜbereinstimmung desselben mit Aurel. Victor an den oben citierten Stellen hingewiesen, indem beide mit denselben Worten berichten: Caesar) caput plurimis et pretiosissimis odoribus cremandum curavit.
Lucanus ist zwar der Verfasser eines Epos, aber er ist historisch genau ²). Es ist allgemeine Annahme, dass er die geschichtlichen Ereignisse Livius entlehnt hat ³). Mit Hülfe anderer Schrift- werke werden sich diese aus dem pathetischen Schwulste der Darstellung herausheben lassen.
Von Dio ist bereits oben(S. 3) erwähnt worden, dass er im 42. Buche seiner Geschichte Livius zu Grunde gelegt hat, auch haben wir dort behauptet, dass er die Angabe der Zeit, zu welcher Pompeius erschlagen wurde, dem nämlichen Autor verdankt. Wir konnten ferner(S. 4) eine vollkommene Ubereinstimmung Dios mit Lucan konstatieren, so dass, da Lucan mit Zugrund- legung des Livius gedichtet hat, Dio die Erzählung, Cäsar habe mit der Landung gezögert, aus letzterem schöpfte. Jetzt, wo es sich um das Benehmen Cäsars bei Empfang der letzten Erinnerungen an Pompeius handelt, befindet er sich wieder mit allen aus Livius geflossenen Quellen, ganz besonders mit Lucan in völligem Einklang, weshalb nicht zu zweifeln ist, dass ihm weiterhin Livius als Unterlage gedient hat.
Plutarch ist in den beiden Biographieen Pompeius und Cäsar, wie der Wortlaut zeigt, der- selben Quelle gefolgt, nur ist er in der letzteren etwas ausführlicher. Vergleichen wir seinen Bericht, wie er in der Cäsarbiographie vorliegt, mit der livianischen Perioche, so finden wir, dass einmal dem αmιέκααοααςσ und*αœez*ddᷣνονασε die Ausdrücke offensus est et inlacrimavit entsprechen, ferner, und dies ist das bedeutungsvollste Indicium, dass von Plutarch wie in der Perioche der Abgesandte des Königs Ptolemäus mit Namen genannt wird, dass es nach beiden Theodotus war. Lucan führt IX, 1010 f. einen satelles regius ein, der die schrecklichen Geschenke überbringt. Aurelius Victor nennt irrtümlicherweise den Achillas, aber es beweist dies so viel, dass er einen bestimmten Namen gelesen haben muss. Diesen Namen gibt richtig die Perioche wieder. Darnach geht Plutarchs Darstellung an den angeführten Stellen aller Wahrscheinlichkeit nach auf Livius, der auch Caes. 47 als Gewährsmann citiert wird, zurück. Es bleibt nur noch die Frage übrig, ob Plutarch den Livius direkt benutzt hat oder die livianische Darstellung einer vermittelnden Quelle verdankt. Für unseren Fall lässt sich weiter nichts beweisen, als dass die Darstellung Plutarchs livianisch ist ⁴).
¹) Valer. Maæimi fact. et diat. mem. I. IX rec. Kempf, Berol. 1854. prol. p. 15. U. Koeler, p. 11 ff. C. Wachsmuth, S. 226.
²) Daher die Urteile bei Serv. Aen. I. 382 Lucanus ideo in numero poetarum esse non meruit, quia widetur historiam composuisse, non poema; Petron. sat. 118 belli civilis ingens opus quisquis attigerit, nisi plenus litteris, sub onere labetur. non enim res gestae versibus comprehendendae sunt, guod longe melius historici faciunt, sed sqν.
²) C. Wachsmuth, S., 596, Anm. 2. Hosius in seiner Ausgabe des Lucan(Lips. 1892) praef. p. XXI.
¹) Schon H. Peter, Die Quellen Plutarchs in der Biographie der Römer, Halle 1865, S. 126 f. hält Livius für Plutarchs Quelle in der Darstellung des alexandrinischen Kriegs, doch ist seine Beweisführung eine andere. Judeich nimmt sowohl für des Pompeius letzte Schicksale(S. 44) als für Cäsars Operationen im Orient(S. 47) neben Strabo auch Livius als direkte Quelle Plutarchs an; wem die oben behandelte Stelle Plutarchs zuzuweisen ist, sagt er nicht. E. Kornemann, Die histor. Schriftstellerei des C. Asinius Pollio. Jahrb. f. kl. Phil. XXII. Suppl.-Bd., Heft 2(Leipz. 1896), S. 555 ff., stellt die Hypothese auf, für die Preignisse der Jahre 60— 44 hätten Plutarch und Appian das Werk des Pollio benutzt, Plutarch habe sekundär auch Livius herangezogen, der wieder auf Pollio und Cäsar zurückgehe. S. 685 rechnet er Plut. Caes. 48, 2, Pomp. 80, 5 und App. II, 90, p. 774, 13— 16, also die Stellen, um die es sich oben handelt, zu den„Fragmenten der pollionischen Historien“. Um Pollio rekonstruieren zu können,
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