Aufsatz 
Die Geschichte als Lehrgegenstand an der Realschule mit besonderer Berücksichtigung des Altertums / vom R.-L. Johannis
Entstehung
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Vorkommniſſe, wie die Völkerwanderung, die Keuzzüge, die überſeeiſchen Entdeckungen und deren Folgen, die Reformation, die Ereigniſſe, welche die angeſtrebte Erhaltung des europäiſchen Gleich⸗ gewichtes herbeigeführt hat, und die Revolution recht eigentlich international ſind und keinesfalls einſeitig, oder was in dieſem Falle dasſelbe ſein würde, für das Ganze unverſtändlich abzumachen ſind. Wir finden alſo genug Völker, deren Geſchichte eine ebenſo eingehende Behandlung verdient. als die der Griechen und Römer im Alterthume oder der Deutſchen in Mittelalter und Neuzeit. Hieraus würde aber erſichtlich ſein, daß die zu ſtellende oder zu löſende geſchichtliche Aufgabe aus dieſen Zeitaltern der Univerſalgeſchichte an Umfang und Inhalt bei weitem beträchtlicher iſt, als diejenigen aus dem Alterthume. Den Beſtimmungen des allgemeinen Lehrplanes für höhere Bürger⸗ ſchulen zufolge iſt nun die Geſchichte des Mittelalters für die aus zwei Jahrescurſen beſtehende Tertia, die Geſchichte der Neuzeit, an welche ſich denſelben Beſtimmungen gemäß die Geſchichte Preußens als beſonderer Gegenſtand anzuſchließen hat, für die gleichfalls aus zwei Jahrescurſen beſtehende Secunda in dem Lehrplane angeſetzt und zwar ſo, daß die ganze für jede dieſer Claſſen geſtellte Aufgabe in Einem Jahre zu abſolviren und im zweiten Jahre für die obere Abtheilung der Claſſe gleichſam zu wiederholen iſt. Das innerhalb eines verhältntßmäßig ſo kurzen Zeitraumes Durchzunehmende muß aber dadurch eine ſoüberſichtliche Darſtellung und Behandlungsweiſe erfahren, daß unmöglich viel Nutzen für den Schüler aus dem Unterrichte erwachſen kann. Soll nun ungeachtet der Wichtigkeit, welche dieſem Unterrichtszweige heutzutage nicht mehr wohl abgeſprochen werden kann, eine Vermehrung der Stundenzahl nicht eintreten(die ohnehin beinahe unausführbar ſein würde), und auch einem anderen Gegenſtande, außer etwa der Geographie, keine ihm zugewieſene Stunde entzogen werden, ſo möchte ſich nur dadurch ein Ausweg finden laſſen, daß der zu bearbeitende Lehrſtoff auf die beiden Jahrgänge der betreffenden Claſſen zu vertheilen wäre. Der aber hierdurch eintretende unangenehme Umſtand, daß die eine Abtheilung der Claſſe den zweiten Theil ihres geſchichtlichen Claſſenpenſums vor dem erſten Theile desſelben zu bearbeiten und zu abſolviren hätte (wofür ſich übrigens ein Analogon in der Prima des Gymnaſiums findet), könnte wohl bei Beginn des Schuljahres durch eine kurze nur die Hauptmomente des vorjährigen Theiles berührende Ueber⸗ ſicht, die zugleich eine gewiß nicht überflüſſige Repetition für die älteren Schüler ſein würde, ausge⸗ glichen werden. Es braucht wohl kaum bemerkt zu werden, daß hiemit kein Vorſchlag gemacht, ſondern nur einer auch ſchon von anderer Seite ausgeſprochenen Anſicht beigetreten werden ſoll.

Seit nahezu drei Jahrzehnten iſt die ſtrenge Scheidung und Auseinanderhaltung von Gym⸗ naſium, Lateinſchule oder wie man es immerhin zu nennen belieben mag, mit ihrem vorzugsweiſe ſprachlich⸗hiſtoriſchen Gepräge und Real⸗ oder höherer Bürgerſchule mit einer vorherrſchend mathematiſch⸗ naturwiſſenſchaftlichen Richtung gefallen. Wie einerſeits das Gymnaſium mit Aufgebung ſeiner

urſprünglichen Beſtimmung dem künftigen Gelehrtenſtande eine Anſtalt für Erlernung der alten 3