Aufsatz 
Die Geschichte als Lehrgegenstand an der Realschule mit besonderer Berücksichtigung des Altertums / vom R.-L. Johannis
Entstehung
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als nicht ein für ſie begehrenswerthes Object(das ſich in ber Regel fand) ſie mit einander in Con⸗ flict brachte, oder ſo lange ihnen der Trieb der Selbſterhaltung ein wenigſtens äußerlich friedliches Zuſammengehen rathſam erſcheinen ließ, oder auch die Furcht vor wirklicher oder vermeintlicher Ueberlegenheit des Gegners ihnen gegenſeitige Schonung auferlegte. Von einem höheren moraliſchen Beweggrunde ließ man ſich hierbei kaum leiten. So geſchah es, daß die Stiftung oder der Ausbau großer Reiche und Staaten im Alterthume nach einander, nicht gleichzeitig neben einander, vor ſich gehen konnte; Perſer um nicht in ältere Zeiten zurückzugehen, Griechen und ſelbſt dieſe unter einander, Macedonier, Alle nur verhältnißmäßig kurze Zeit auf dem Gipfel ihrer Macht bleibend, löſen einander ab, bis ſie endlich alle erſchöpft, faſt lebensmüde dem Römerreiche als Provincialen zufallen. Achtet man auf die Zeit, ſo wird man finden, daß, wann eins dieſer Völker zu einiger Macht und Bedeutung gelangt, das ihm vorausgehende bereits zu einer politiſchen Nullität oder Werthloſigkeit geworden iſt. Dieſer Umſtand erlaubt die ſeparate Behandlung der Hauptvölker der alten Welt ohne viele Rückſichtsnahme auf gleichzeitige Völker, die zur Zeit der Machtſtellung des einen Volkes theils noch gering und hiſtorifch unbedeutend, theils ſchon abgethan ſind.

Anders geſtalten ſich die Dinge in dem Mittelalter und der Neuzeit. Schon in ſeinem Beginne führt uns das Mittelalter eine Anzahl größerer und kleinerer Völker,(Heruler, Vandalen, Gothen, Longobarden, Burgunder, Franken, Sachſen u. a.) und deren Staatenbildung vor, die entweder gleichzeitig, oder doch ſo bald nach einander auftreten, daß deren Geſchichte eine getrennte Darſtellung wenigſtens für die Zwecke einer Schule, nicht wohl geſtattet. Auch ohne Rückſicht auf die dem hiſtoriſchen Unterrichte zugewieſene Stundenzahl würde es nicht angehen eines jener germaniſchen Völker, die ſich auf dem Boden des ſich auflöſenden Römerreiches niederlaſſen, ausführlicher zu beſprechen und dann ein anders Volk in derſelben Weiſe vorzunehmen und abzuthun. Es ſind der Völker zu viele, ihre Berührungspunkte mit, ſowie die Beziehungen zu einander, zu zahlreich, als daß ſie, ähnlich den alten Völkern, beim Unterrichte von einander gehalten werden könnten. Hier muß die Geſchichte eher univerſell, als ethnographiſch werden. Dies iſt aber nicht nur zu Anfang des Mittelalters, ſondern ebenſo ſehr in der nachfolgenden Zeit und in noch höherem Grade in der Neuzeit der Fall. Wer wollte mit ſtichhaltigen Gründen behaupten, daß die Geſchichte des deutſchen Volkes ohne Rückſicht auf das europäiſche Staatenſyſtem zu einer wünſchenswerthrn Aörundung gebracht werden könnte?

Wenn nun auch mit Recht gefordert werden kann, daß für deutſche Schulen der Geſchichte des deutſchen Volkes in den beiden letzten Zeitaltern der Vorzug zu geben ſei und ihr umſomehr Aus⸗ führlichkeit in der Darſtellung gebühre, als das deutſche Volk der vorzüglichſte Träger des Mittelalters iſt, ſo darf doch ſchon wegen der mannichfaltigen Berührung dieſes Volkes mit anderen Völkern, welche gleichmächtig und geſtaltend in die Geſchicke der damaligen Welt eingegriffen haben, die Geſchichte dieſer auf keinen Fall hintangeſetzt werden oder zu kurz kommen. Frankreich, England, die Normannen Oſtrömer, Araber und in etwas ſpäterer Zeit, Spanien, die nordiſchen Reiche und das Osmanenreich, ſind ebenſowohl in den geſchichtlichen Unterricht einzubeziehen, da ſo manche Erſcheinungen und