Aufsatz 
Die Geschichte als Lehrgegenstand an der Realschule mit besonderer Berücksichtigung des Altertums / vom R.-L. Johannis
Entstehung
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Indeſſen iſt es die Sprache nicht allein, ſondern mehr noch der Gegenſtand an und für ſich, welcher hierbei maß⸗ und ausſchlaggebend werden muß. Kein Volk der antiquen Welt, ja keines der Völker überhaupt, die uns in der Weltgeſchichte zur Betrachtung vorgeführt werden, hat ſich, ungeachtet der Nachtſeiten, wie wir ſie gerade an dieſem einſt ſo großen Volke zu beklagen haben, bei Mit⸗ und Nachwelt eine ſolche Geltung verſchafft und dieſelbe ſich nachhaltiger zu bewahren gewußt, als die Abkömmlinge jener Hirtenkolonie oberhalb der Tibermündung, welche das Schwert mit Karſt und Pflugſchar vertauſchend, ſich ein Reich und eine Herrſchaft ſchufen, die erſt da ihre Grenzen fand, wo der Ocean Halt gebot oder Libyens und Arabiens Wüſten keine Grenzſteine auf die Dauer zu ſetzen geſtatteten, alſo von den unſcheinbarſten Anfängen ausgehend, während ſeines bald langſameren bald beſchleunigteren Wachsthums ſich äußerer Feinde und innerer Verlegenheiten und Schwierigkeiten erwehrend und durch die Weiterausbildung der altrömiſchen Staatsidee, unſäg⸗ lichen Hinderniſſen zum Trotz, ſich eine weltmächtliche Stellung errang, wie die Menſchheit ſie ſeitdem nicht wieder geſehen, wie ſie zwar mehrmals von Anderen angeſtrebt und verſucht, aber nicht wieder erreicht worden iſt. Wie keines anderen Volkes Geſchichte lehrt die römiſche, was unbeugſamer Wille und Beharrlichkeit und ein durch keinen Unfall zu erſchütternder oder zu verlierender Muth freilich auch der Glaube an das römiſche Glück den größten Verwickelungen und unüberwindlich ſcheinenden Gefahren und Nothſtänden gegenüber vermögen, und führt uns ein Volk zur Betrachtung und zur Bewunderung vor, welches gerade dann am größten und opferwilligſten erſcheint, wenn es ſich in eine Lage gedrängt ſieht, die jedem anderen Volke Reſignation und desperate Ergebung in's Unvermeidliche auferlegt haben würde. Wohl kann es Niemanden im Ernſte einfallen, die ſelbſt⸗ ſüchtige Politik des römiſchen Senates anderen Völkern gegenüber ob ihrer Verwerflichkeit abſchwächen oder gar billigen und zur Nachahmung empfehlen zu wollen, aber eines Gefühles von Bewunderung vermag man ſich nur ſchwer zu erwehren, wenn man ſieht, wie im Augenblicke der höchſten Noth die Männer ſich finden, welche, Jeder in ſeiner Weiſe, nach ſeinem Dafürhalten und der jeweiligen Sachlage entſprechend ſei es als Junius Brutus, der über ſeine gegen die junge Republik ver⸗ ſchworenen Söhne das supplicium verhängt, ſei es als Fabius, der durch unbegreifliches Zaudern einem unwiderſtehlichen Feinde des römiſchen Namens die Wege verlegt, oder als Sulla, der mit beiſpielloſer Härte und Rückſichtsloſigkeit gegen eine entartete Demagogie die Republik in ihrer früheren Macht und Würde wieder herzuſtellen verſucht, oder als Marcus Tullius, der mit Gefahr eigener Exiſtenz weit verzweigten Conſpirationen und verbrecheriſchen Anſchlägen entgegen tritt die Rettung des bedrängten Vaterlandes unternehmen, daſſelbe gegen äußere Feinde und ſelbſtſüchtige Partei⸗ häuptlinge ſchirmen, über unvermeidlich ſcheinende Abgründe hinüberretten und dem ſicher geglaubten Verderben entreißen. Wie wenig Ehre auch die Imperatoren ihrer Würde in der Folge gemacht haben, glaubten doch Deutſchlands Könige ihre Krone mit dem Diademe der römiſchen Cäſaren durchflechten zu müſſen um ihr den glänzendſten Juwel einzuſetzen.

Andererſeits mahnt aber auch keine Erſcheinung in der Geſchichte den Menſchen ſo ſehr als

Alt⸗Rom an die Hinfälligkeit und Leere irdiſcher Größe und Herrlichteit. Als Rom nach wunderbar 2*