Aufsatz 
Die Geschichte als Lehrgegenstand an der Realschule mit besonderer Berücksichtigung des Altertums / vom R.-L. Johannis
Entstehung
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vermittelt, gegen die Lectüre eben dieſer Werke in den unübertroffenen Formen des Originals? Und gerade die Form iſt es ja, in welcher die Alten kaum erreicht, keinesfalls übertroffen daſtehen. Der drüftigſte Klavierauszug eines klaſſiſchen Muſikwerkes möchte immer noch in einem günſtigeren Ver⸗ hältniſſe zur Originalcompoſition ſtehen, als unſere Ueberſetzungen zu den helleniſchen Originalwerken. Und trotz aller dieſer Herrlichkeit, auf welche unſere Schüler verzichten müſſen, dürfen ſie nicht um dieſes Stück Weltgeſchichte verkürzt werden. Soll aber Sparta's und Athen's ſowie die hier einſchlägige Geſchichte der aſiatiſchen und Inſulargriechen den Schülern, ſoweit dies überhaupt möglich, zugänglich gemacht werden, ſo ſind die Wanderungen und Niederlaſſungen der griechiſchen Volksſtämme ſowie die Entwickelung und allmälige Ausbildung der Verfaſſungszuſtände beider obengenannter Staaten ebenſowohl in Rechnung zu ziehen und für die Faſſungskraft der Schüler möglichſt paſſend zum Vortrag zu bringen, indeſſen doch nur ſo weit als ſie für das Verſtändniß und Behalten der Knaben geeignet, d. i. möglich ſind. Die doriſchen Wanderungen ſind ein ſo wichtiger Abſchnitt in der griechiſchen Geſchichte und für das Verſtändniß der ſpäteren Zeit ſo nöthig und unerläßlich wie die Wanderungen der Germanen für das Verſtändniß der deutſchen und der Geſchichte des nachmaligen europäiſchen Staatenſyſtems überhaupt.

Muß nun die Zeit von Griechenlands Uranfängen bis zur eigentlichen Blüthenzeit verhältniß⸗ mäßig kurz, faſt dürftig durchgenommen werden, ſo iſt um ſo mehr Aufmerkſamkeit und Sorgfalt, ſelbſt Vollſtändigkeit den beiden letzten Zeiträumen zuzuwenden, als die Geſchichte des Alterthums den Beſtimmungen des allgemeinen Lehrplans zufolge nur einmal zum Vortrage kommen kann, und nicht durch einen anfänglich biographiſchen, ſpäter ethnographiſchen Unterricht, wie ſolcher am Gymnaſium üblich iſt, Gelegenheit zu Repetition und Ausfüllung gebliebener Lücken geboten und zu einem gewiſſen Abſchluſſe gebracht wird. Die Urſachen, Anläſſe und Anfänge der großen Perſerkriege, ſowie deren Verlauf mit ihren unvergleichlich heldenmüthigen oft ins Wunderbare ſich verlierenden Kämpfen, die Aufopferung, deren ein Volk, dem ſeine Religion und die hiervon bedingte nationale Eigenthümlichkeit über Allem ſteht, fähig iſt: der endliche Sieg eines kleinen in Nebendingen oft zerklüfteten und geſpaltenen aber nach Außen geeinigten Volkes über ein Weltreich, dann wiederum der Uebergang von der Vertheidigung zur Aggreſſion auf den anfangs ſiegesgewiſſen und trotz der unangenehmen Erfahrungen nicht ermüdenden Gegner, die Befreiung der Stammesgenoſſen in Aſien, alſo ein hiſtoriſches Heroenzeitalter, aber auch andererſeits die gegenſeitige Eiferfucht nach dem Aufhören der von Außen andringenden Gefahren, der dadurch heraufbeſchworene Racenkrieg im Innern und der hiermit zuletzt herbeigeführte Verfall und Untergang griechiſcher Freiheit und Nationalität bieten ein hiſtoriſches Bilderwerk, das nicht in bloßen Contouren dem Schüler vorgeführt werden darf und zu welchem der erklärende Text ſich nicht in einer Art chronologiſcher Tabelle abhaspeln läßt.

Ich verhehle mir keinesweges, daß bei noch ſo ſorgfältiger und geſchickter Behandlnng der griechiſchen Geſchichte das zu Erreichende immer Stückwerk bleiben wird, weil das Hauptmedium zum Verſtändniſſe des helleniſchen Alterthums, die griechiſche Sprache und was damit zuſammenhängt,

den Schülern unſerer Lehranſtalten, der Realſchulen nämlich, abgeht, ein Umſtand, der. in den 2