Aufsatz 
Die Geschichte als Lehrgegenstand an der Realschule mit besonderer Berücksichtigung des Altertums / vom R.-L. Johannis
Entstehung
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7.

Erſcheinungen mit ſeinem Wiſſen umfaſſe oder gar bis auf die letzten Gründe exploriren und erfaſſen müſſe. Den Lebenszwecken der weitaus meiſten Menſchen liegt eine ſolche Ausdehnung hiſtoriſchen Wiſſens ebenſo ferne als das Studium der beiden vorhin angeführten und anderer Wiſſenſchaften überhaupt. Nicht minder unrichtig iſt aber auch die Anſicht Jener, welche die Bekanntſchaft mit dem Leben einiger hiſtoriſchen Perſonen und etwa noch eine dürftige Aufzählung von Thatſachen aus der Geſchichte einiger Hauptvölker für die Jugend, welche über das Ziel der Elementarſchule hinaus unterichtet werden will, als genügend erachten. Mit einer bloßen Ueberſicht iſt hierin ebenſo wenig gethan, als mit einer ſolchen in Mathematik, Naturwiſſenſchaft u. a. Es würde dann das erreicht werden, was man nicht unpaſſend mit dem NamenGerippe zu bezeichnen pflegt, dasſelbe nämlich was dem menſchlichen Körper zwar einen gewiſſen Halt, aber noch lange kein lebensfähiges Daſein verleiht. Das Richtige dürfte auch hier wieder in der Mitte liegen, einer Mitte aber, die nicht zu große Abſtände zwiſchen ſich und den beiden ſoeben angedeuteten Extremen, dem Zuviel und Zuwenig läßt. 2

Welches würde denn aber dieſe rechte Mitte ſein? Wie nothwendig und geradezu unerläßlich die Bekanntſchaft mit dem alten Morgenlande, beſonders der ſemitiſchen und ariſchen Völker für den exacten Hiſtoriker auch ſei, ſo glaube ich doch nicht vielem Widerſpruche begegnen zu können, wenn ich mich der Anſicht zuwende, daß dieſer Theil der Weltgeſchichte aus dem Penſum der Realſchule, wenigſtens wie dasſelbe dermalen auf die einzelnen Jahrgänge derartiger Anſtalten vertheilt iſt, ferne zu halten oder nur in ſo weit aufzunehmen ſei, als dies zum Verſtändniſſe des Ganges und Ver⸗ laufes der Geſchichte anderer auch für die Realſchule nicht zu umgehender Völker, ich meine der Griechen und Römer, nöthig iſt und berührt werden muß. Weit entfernt, den Werth, welchen die lange Zeit von den Uranfängen der Menſchheit und deren Geſchichte bis zum Auftauchen der griechiſchen und römiſchen Welt für den Hiſtoriker hat, beeinträchtigen, herabſetzen oder gar in jener Zeit eine Wüſte voller Nacht und Barbarei, von welcher man ſich mit Entſetzen abwenden müſſe, erblicken zu wollen, halte ich vielmehr die Erforſchung und das Studium dieſes weiten hiſtoriſchen Gebietes für ein äußerſt ergiebiges und dankbares Feld, in welchem die Entfaltung eines reichen Culturlebens uns entgegentritt und das unſere Bewunderung in ſeiner Weiſe nicht weniger zu beanſpruchen hat, als die Völker, welche einen Herodot, Thucydidis und Xenophon oder Polybius, Livius, und Tacitus als Darſteller ihrer Geſchichte gefunden haben. Aber vielleicht weil ähnliche Quellen uns nicht die Kenntniß dieſer Völkerwelt übermittelt haben, glaubten wir gleichgültig gegen dieſelbe ſein zu dürfen und wird es auch in Zukunft nicht anders damit ſein. Wenn ich nun hier auch nicht vermeine, daß man an dieſen Stämmen vornehm vorübergehen ſolle, ſo vermag ich doch nicht einer Behandlung ihrer Geſchichte, wie ſolche den Griechen und Römern an unſeren Schulen zu Theil wird, das Wort zu reden, und dies um ſo weniger als ſelbſt unſere Philologen und Kenner des claſſiſchen Alterthums, denen Sprachen und Literatur jener Völker fremd bleiben, mit dieſem Gebiete der großen Weltgeſchichte nur oberflächlich bekannt werden. Das Intereſſe bleibt für uns, bis jetzt wenigſtens, noch ein verhältnißmäßig geringes, und ich wiederhole meine oben ausgeſprochene Anſicht, ohne ſie