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Da, in unsagbarem Jammer, Stimmte Hekabe die Klag' an:
Hektor, Liebster meiner Söhne, Liebling auch, solang du lebtest, Bei den Göttern, die dich liebten Auch im bittern Todverhängnis. Denn all meine andern Söhne, Die der schnelle Held Achilleus In dem Kampf gefangennahm, Sie verkauft' er in die Fremde, Übers Meer nach Samos, Imbros Und dem unwirtbaren Lemnos. Dich nun hat er zwar getötet Mit des Erzes scharfer Spitze, Hat geschleift dich mehr als einmal Um den Hügel des Patroklos, Den im Kampfe du erschlagen; Seinen Freund erweckt' er doch nicht! Dennoch liegst du jetzt im Saale Frisch wie Morgentau da vor mir Und zum Sprechen unverändert, Einem ähnlich, den Apollo Unversehens wie im Schlaf Mit dem sanften Pfeile traf.
Also sprach sie unter Thränen Und erweckte endlos Schluchzen. Da begann als dritte endlich Helena mit ihrer Klage:
Hektor, meinem Herzen warst du Stets der liebste aller Schwäher, Seit der göttergleiche Paris Mich als Gattin führt' nach Troja.— Wär' ich vorher nur gestorben!— Jetzt sind's schon der Jahre zwanzig, Dass von dannen ich gegangen Aus dem lieben Vaterlande. Aber nie aus deinem Munde Hab ich je ein böses, schnödes


