Aufsatz 
Über Homerübertragung mit neuen Proben
Entstehung
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Unser Söhnlein, dem wir Armsten Ein unselig Dasein gaben. Nicht zum Jüngling wird er wachsen, Denn zuvor von stolzer Höhe Stürzt die Stadt in Staub und Trümmer, Da ihr Schutz und Hort dahinsank, Du, der schirmte ihre Mauern, Und der schirmte die Bewohner, Zücht'ge Fraun und zarte Kleinen. Fortgeschleppt in bauch'gen Schiffen Seh ich sie und mich mit ihnen Und auch dich, mein armes Söhnchen, Folgend mir in Schimpf und Knechtschaft, Fronend einem Mitleidlosen, Wenn nicht etwa ein Achäer Dich erfasst am zarten Armchen Und von eines Turmes Zinnen Dir den zarten Leib zerschmettert; Grimmig, weil im Kampfe Hektor Ihm den Bruder oder Vater Oder auch den Sohn erschlagen. Denn gar viele der Achäer Haben von der Hand des Hektor Knirschend in den Staub gebissen, Da im grimmen Kampfgetümmel Ohne Mitleid war dein Vater. Drum beweint das Volk der Stadt ihn. Deinen Eltern, Hektor, hast du Namenloses Leid bereitet, Doch der allerherbste Jammer, Der ist mir beschieden: Sterbend Hast du nicht zum letzten Male Mir die Hand gereicht vom Lager, Nicht ein sinnig Wort gesprochen, Das im Herzen ich bewahrte, Dessen weinend ich gedächte Alle Tage, alle Nächte.

Also sprach sie unter Thränen, Und die Frauen schluchzten mit ihr.