Aufsatz 
Über Homerübertragung mit neuen Proben
Entstehung
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und ich glaube, er hat recht. Warum haben wir denn keine Volks- lieder in Hexametern oder auch in reinen Daktylen? Weil diese Masse eben nicht volkstümlich sind.

Zu dem Mangel an Volkstümlichkeit kommt noch der ver- derbliche Einfluss des Hexameters auf den Stil, den wir bei Voss und Jordan beobachten konnten, und den eine genauere Untersuchung noch deutlicher darthun würde.

Auf seine Wohlfeilheit und Kunstlosigkeit weist Schroeter in dem Schlusskapitel seines mehrfach citierten Buches hin, die Worte der troischen Jungfrauen auf ihn anwendend:

Wagest du, Scheusal, Neben der Schönheit

Dich vor dem Kennerblick Phöbus' zu zeigen?

Seine schweren Bedenken hat der Hexameter jedenfalls. Wenn wir uns aber die Frage stellen, welches denn das geeignete Vers- mass für eine deutsche Homerübersetzung sei, so wird sich dieselbe wohl bei dem Mangel eines epischen Stils nicht objektiv beant- worten lassen und ist viel mehr subjektiver Natur, wie denn über- haupt jede Übersetzung ein subjektives Gepräge ihres Verfassers tragen wird. Goethe und Jakob Grimm fordern schlechthin einen Homer in Prosa, und auch unser leider zu früh verstorbener Lehrer Kaibel wies uns in Strassburg auf eine gute Prosaübersetzung des Homer als auf ein Bedürfnis hin. Nun lässt sich zwar Poesie in Prosa kleiden und bleibt doch Poesie, aber es scheint mir, als ob ein Homer in Prosa viel schwieriger als in Versen sei, wenn man nicht die Poesie und damit Homer selbst töten will. Stamm und selbst Minckwitz, der als der beste gilt, sind abschreckende Beispiele.

Zunächst käme vielleicht in Betracht der fünffüssige Jambus, er soll sich dem fallenden Rhythmus unserer Satzkonstruktion am besten anpassen. Mit ihm war kein geringerer als Gottfried August Bürger dereinst Stolbergs Hexametern gegenüber stolz und sieges- bewusst in die Schranken getreten. Allein er erklärte sich über- wunden von der Waffe des Gegners, indem er selbst zu derselben griff. Bürgers Scheitern braucht nicht an seinem Versmass zu liegen, ich wüsste andere Gründe dafür, nicht zum geringsten auch das Naturell des unglücklichen Dichters. Allein der Umstand,