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kleidet, der„die Wirkung des einzigen Gedichtes so stark beein- trächtigt, dass es nicht sein kann, wozu es sein echt homerischer Geist befähigt, ein Buch für hoch und niedrig, jung und alt“(von Wilamowitz a. a. O., S. 8). Goethe freilich hat sich später von diesem Schmerzenskinde der deutschen Metrik losgesagt:
Ein ewiges Kochen statt fröhlichem Schmaus,
Was soll denn das Zählen, das Wägen, das Grollen? Bei allem dem kommt nichts heraus,
Als dass wir keine Hexameter machen sollen,
Und sollen uns patriotisch fügen,
An Knittelversen uns begnügen.
Mag sein, wie Rudolf Hildebrand ¹⁵) meint, dass das zum Teil Arger und Obertreibung sei, jedenfalls hat Goethe nach 1802 keine Hexameter mehr geschrieben.(Vgl. Schroeter, a. a. O., S. 349.) Aber seit Klopstock, veranlasst durch die Schulsitte von Pforta, lateinische Verse zu machen, seinen Messias in Hexameter gekleidet, und namentlich seitdem Stolberg und Voss ihren Homer„im Vers- mass der Urschrift“ verfasst haben, ist der Hexameter in der Uber- setzung des antiken Epos fast traditionell geworden und bildet auch sonst eine gewiss sehr schätzenswerte Bereicherung unserer Dichtung, obgleich es eine kaum erträgliche Ubertreibung ist, wenn Herbst ihn den„Kulturvers im eminenten Sinne“ nennt. Und wenn er auch im 19. Jahrhundert nicht nur von Kunst-, sondern auch sogar von Dialektdichtern?) angewendet worden ist, so hat doch im allgemeinen Rudolf Hildebrand wohl recht, wenn er sagt, dass er jetzt mehr achtungsvoll in die Ecke gestellt ist und nur noch in einigen Fällen hervorgeholt wird.
Ich persönlich gehöre weder zu den übertriebenen Bewun- derern noch zu den Verächtern des Hexameters, die ihn am liebsten ganz aus der deutschen Litteratur verbannt sähen, und doch halte ich ihn zur Homerübersetzung nicht für geeignet. Ich kann hier nicht die theoretischen Gründe anführen, mit denen eine weit- schichtige Litteratur diesen Standpunkt stützt. Für mich ist in erster Linie massgebend, dass er nicht volkstümlich ist. Und Volks- tümlichkeit thut einem deutschen Homer bei dem fremden Inhalt am allermeisten not. Der Hexameter ist nicht volkstümlich, schon weil er bei seiner unsicheren Messung und den häufigen Accent- verschiebungen innerhalb der Wörter Ungeübten beim Lesen grosse


