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hatte man sich das nicht unterfangen, nach ihm versuchen es alle Hexametriker. Wie verhängnisvoll das war, wird sich noch zeigen
Nun zum Stil und zur Diktion. Da kann ich nun leider nicht anders, als in der Hauptsache mich dem harten Urteile Schroeters anschliessen. Poesielosigkeiten und Poesiewidrigkeiten, Flachheiten, Geschmacklosigkeiten, Härten, Abweichungen vom Sprachgebrauch, die nicht das Bürgerrecht haben erlangen können, alles das begegnet einem auf Schritt und Tritt. Ganze Bogen liessen sich mit Beispielen füllen. Ich nehme nur das, was sich mir gerade bietet aus dem zufällig gewählten 13. Gesang:
V. 4. Die„mit Erz gegründete Wohnung“ für 7aloςαmeς ist schwülstig und unverständlich, etwa: meines Hauses eherne Schwelle.
15.„Denn Einen belästigen solche Geschenke“ scheint mir wenig poetisch und auch nicht verständlich genug; man muss, wie so oft einen Blick ins Original thun, um die Übersetzung zu ver- stehen; der Sinn ist: man kann vom einzelnen Manne nicht ver- langen, dass er aus eigenen Mitteln so reiche Geschenke giebt.
18.„Als die dämmernde Frühe mit Rosenfingern erwachte,
Eilten sie alle zum Schiffe mit männerehrendem Erze.“
Wenn man in dem ersten der beiden Verse den Zusatz„mit Rosenfingern“, wie es die Cäsur fordert, mit„erwachte“ verbindet, so entsteht eine arge Geschmacklosigkeit, Das„männerehrende Erz“ des folgenden Verses ist auch schwer verständlich, besser trifft schon Jordans„männerbeglückendes Erzgut.“
20.„Aber die heilige Macht Alkinoos legte das alles,
Selber das Schiff durchgehend, mit Sorgfalt unter die Bänke;“
Das lese einer noch einmal:„die heilige Macht Alkinoos legte es unter die Bänke!“ Wie prosaisch der Ausdruck„legte es unter die Bänke!“ und dann das berüchtigte,„die heilige Macht Alkinoos“ 1eoοσν μ‿μνοο dτωm⁶⁸οοο, eine wörtliche Übersetzung, aber auch sonst nichts, am allerwenigsten ein dichterischer deutscher Ausdruck für den edlen Phäakenfürsten. Was machen wir mit dem Ausdruck, diesem Steine des Anstosses für alle Ubersetzer und ihre Leser? Was machen die Übersetzer damit? Die meisten schleppen Vossens unglückliche wörtliche Prägung mit geringen Modifikationen weiter. Jordan schreibt„Alkins gesegnete Stärke“ und weiss dem armen Leser nicht anders zu helfen, als dass er ihn in der Einleitung mit dem billigen Troste abspeist,„dass diesen


