wird sie sogar von den Dichtern mit Absicht angewendet, um eine gewisse Eintönigkeit zu vermeiden. Allein gerade beim Hexameter ist eine solche Eintönigkeit nicht zu befürchten. Einen Vers wie:
„Drauf antwortete Zeus blauäugige Tochter Athene“ würde man sich das eine oder andre Mal gern gefallen lassen, allein unter den von Voss gebrauchten Formeln zur Einleitung der Gegenrede ist diese bei weitem die gebräuchlichste, während Goethe sie, soviel ich sehe, sowohl im Reineke Fuchs als auch in Hermann und Dorothea nur einmal verwendet. Von Vossens Nachfolgern behalten manche sie bei, die neuern, so Hubatsch und Jordan, meiden sie. Zahlreich sind die Verstösse gegen die Wortbetonung, ich wähle nur einige aus dem 13. Gesang:
46. Und mit Heil, und nie heimsuche die Insel ein Unglück.
6b. Auch die Königin liess ihn von drei Jungfrauen begleiten.
157. Zum schiffähnlichen Fels, das alle Menschen dem Wunder
Staunen.
195. Unter fremder Gestalt: Heerstrassen, schiffbare Häfen.
303. Jezo komme ich hierher, um dir Anschläge zu geben.
305. Dir heimkehrenden schenken.
365. Heimliche Winkel umher ausspähend.
396. Muss einschrumpfen das schöne Fleisch der biegsamen Glieder.
Vgl. Minor, Neuhochdeutsche Metrik, 2. Aufl., S. 130.
Das verhängnisvollste aber, was Voss in metrischer Beziehung gethan hat, ist dieses, dünkt mich, dass er, was Herbst eine Ele- mentarbedingung nennt, die Verwzahl seiner Übersetzung mit der des Originals in Tbersinrmunis brachte, indem er den Gedanken- inhalt eines griechischen Hexameters jedesmal in einem deutschen Hexameter unterbrachte. Von Wilamowitz sagt, es sei unvermeid- lich, dass die Übersetzung länger werde als das Original, wenn man nicht hier vom Stil, dort vom Gedanken etwas opfern wolle, und die falsche Methode der Treue, der„Versmasse der Urschrift“ sei die Tochter der Ignoranz 4). Ob eine Homerübersetzung auch in jedem Fall länger werden wird als das Original, weiss ich noch nicht. Aber dass sie nicht genau so lang werden kann, das weiss ich. Deuu wie wäre es möglich, die 12 110 Verse der Odyssee mit ihren ca. 18 650 Silben(12110215) in ebensoviel deutschen Silben wiedergeben zu wollen, ohne der Sprache, dem Stil, der Worttreue Gewalt anzuthun? Dabei kommt wohl ein
Kunststück zu stande, aber nimmermehr ein Kunstwerk. Vor Voss 3


