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folgenden von meinem Standpunkte aus auf die Sache zu reden komme.— Was nun Farbe, Ton und Stil angeht, so hat Schroeter in den erwähnten Beispielen mit Absicht nur dort gerügt, wo mit der Worttreue fast immer zugleich die stilistische geschädigt wurde. In allgemeinster Beziehung zwar gebe die Odyssee ein leidliches Bild des homerischen Stiles, aber auch nur ein leidliches. Schon Bernays habe sich selbst widerlegen müssen, als er sagte, Voss trage gewissenhafte Scheu, dem Originale etwas Fremdes anzuheften. Diese Widerlegungen liessen sich vermehren, es fänden sich Flecken und Fehler genug. Auf dem Gebiete der Epitheta, der Wortschöpfung und Wortzusammensetzung wandle Voss in Stol- bergs Spuren, die meisten der Voss zugeschriebenen Neuschöpfungen fänden sich schon bei Stolberg, die Vossischen trügen nur die Larve der Einheit und seien auf Täuschung berechnet, auch oft genug arge Verirrungen, wie„blutgeschändete Mutter“. Darum sage mit Recht Jakob Grimm:„In Vossens Homer ist einiges gut, einiges trefflich wiedergegeben, und so weit mussten es Fleiss und Studien schon bringen; allein ebensowenig konnten sie den Mängeln und Härten ausweichen, die mit jenen Vorteilen und Vor- zügen ganz folgerecht bestehen; darüber hat das Ganze einen gebrochenen unepischen Ton empfangen. Ausdrücke wie: der Herrscher im Donnergewölk Zeus, oder: in des Herzens Geist und Empfindung, und viele ähnliche waren mir lange immer unbehaglich und halb komisch vorgekommen, bis ich hernach fand: es fehle ihnen gerade das volksmässige, d. h. das, was in der innersten Sprache von lange her gelegen und gelebt haben muss, um solche Redensarten mit und in ihr machen zu können“.
Schroeter prüft sodann den metrischen Charakter der Odyssee und wendet sich zunächst gegen Vossens Streben, nicht nur die Verszahl seiner UÜbersetzung mit der des Originals in Überein- stimmung zu bringen, was Herbst eine Elementarbedingung nennt, die Voss zuerst erfüllt habe, sondern auch das Einzelwort in den korrespondierenden Versteil zu stellen und so den Stoff jedes griechischen in je einem deutschen Hexameter in thunlichster An- lehnung an seine rhythmische Individualität zu erschöpfen. Das nennt Schroeter mit Rücksicht auf die Grundverschiedenheit der beiden Sprachen und, wie mir scheint, mit Recht, ein höchst eitles und spielerisches Bemühen. Im übrigen wird zugegeben, dass„die rhythmische Haltung der Odyssee eine fast gefällige und anmutige


