Chor.
Kreon.
Von wannen es gekommen. Drum wollt' ich
Aus Menschenfurcht nicht Götterstraf verwirken.
Denn daß ich sterben muß, das weiß ich wohl. 460
— Wie sollt' ich nicht?— auch ohne deine Drohung.
Wenn aber vor der Zeit ich sterben soll,
So rechn' ich mir es als Gewinn. Denn wer,
Wie ich, des Unglücks Fülle lebend kostet,
Wie wäre dem der Tod nicht ein Gewinn?
So macht mein Schicksal keine Sorge mir. 465
Doch säh' im Tod ich unbestattet den,
Der meiner eignen Mutter eigner Sohn ist,
Das wär ein Schmerz mir; andres acht' ich nicht.
Und sollt' mein Handeln dir für Torheit gelten,
So möchte schier ein Tor die Törin schelten. 470
So zeigt des Vaters harte Art sich an Dem Kind. Es kann sich beugen nicht der Not.
Indes der allzuspröde Sinn kommt meist
Zu Fall. So kannst du sehn, daß auch der Stahl,
Im Feu'r zur UÜberhärte stark erhitzt, 475 Zerborsten leicht in Stücke springt. Doch durch
Des Zügels kleines Mittel wird gezähmt,
— Ich weiß es wohl,— das stärkste Roß, und das
Mit Recht; denn nicht ziemt dem ein stolzer Sinn, Dem andern zu gehorchen ist bestimmt.
Dies Mädchen aber, frech hat sich's verfehlt 480 An dem Verbot, das ich erließ; doch dies
Zum zweiten zeigt noch größern Frevelmut,
Daß es sich spottend auch noch rühmt der Tat.
Ich wär das schwache Weib und sie der Mann, Wenn ungestraft sie trüg' den Sieg davon. 485 Nein, mag sie meiner Schwester Kind sein, mag
Sie nah mir stehn wie keiner von der Sippe:
Ihr wird zu Teil, was ihr gebührt, ihr selbst Samt ihrer Schwester; denn die Schwester hat,


