Aufsatz 
Revision der deutschen handelsgeographischen Literatur, hauptsächlich aus dem Gesichtspunkte des Schulbedürfnisses / [Janson]
Entstehung
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Für die Handelsgeographie nun liegt der Zweck im Handel mit seinen Bedürf- nissen und Bedingungen, wie schon das blofse Wort sagt. Dieser Begriff hat ihre Stoff- wahl und Stoffbehandlung zu bestimmen. Ein Lehrbuch der Handelsgeographie, welches den hier nur in seinen Hauptstadien beschriebenen Gang der Ableitung einhielte, würde nicht umhin können eine vollständige Handelslehre zu geben? Das zwar nicht aber in derselben allen Momenten nachzugehen, welche zu einem Regulative für die Bearbei- tung der Handelsgeographie führen könnten; denn die Lehre vom Handel ist die zweite Hülfswissenschaft der Handelsgeographie, nur daſs sie formell gestaltet, wo die Geographie materiell speist, und die Bedürfnisse entdecken hilft, die jene zu befriedigen hat.

Unser simulirtes Lehrbuch würde nämlich beim abstracten Handel nicht stehen bleiben können, sondern zum concreten Kaufmanne fortschreiten müssen, durch welchen der Handel im Groſsen sich erst vollzieht, weil der Kaufmann allein im Mittelpunkte der einerseits sammelnden und andererseits zerstreuenden Thätigkeit des Handels steht. Der Krämer und der Handelsmann, sie stehen gleichweit von dem Kaufmann ab, und ihre Beschäftigung, beschränkt nicht allein dem Umfange, sondern auch der Art nach, verhält sich zum Handel, wie Gehülfendienst zu selbstständigem Thun nach eigenem Plan. Nicht von den Bedürfnissen der in sich vielfach verschiedenen Klasse der Handeltreibenden, sondern von dem Begriffe der Bildung des eigentlichen Kaufmannes aus ist im vorlie- genden Falle zu construiren. In dieser Beziehung sagt Freiherr v. Reden(S. 433):

Aus diesem Gesichtspunkt betrachtet, ist der Handel nicht mehr das Fach einer alltäglichen, gewöhn- lichen Uebung, und nur anmafsende Unwissenheit kann dessen wissenschaftliche Seite als Neben- sache betrachten. Um cehrenvoll die wichtige Laufbahn desselben zu bestehen, genügt es nicht mehr, Waaren nach ihren schlechten oder guten Eigenschaften unterscheiden zu können, die Kunst des gewöhnlichen Rechnens und des Buchhaltens zu verstehen, die Quellen zu kennen, aus denen man auf hergebrachte Weise Waaren bezieht, oder die Gegenden, denen man dergleichen auf eben solche zutheilt. Der Kaufmann jetziger Zeit muſs vielmehr, neben einer Kenntniſs der Zollgesetze der mehrsten Lünder und der ihrer Abfassung zum Grunde liegenden

* Motive, der Münzen, Maaſse, Gewichte, Wechsel-Rechte u. s. w., die physische und politische Geographie aller Theile unseres Erdbodens, die Producte, welche sie hervorbringen, die auf den Handel Einfluſs habende Gesetzgebung, kaufmünnische Jurisprudenz, Gebräuche und Usancen, die Anstalten für den Verkehr, das Wesen der Fabrikation kurz die Theorie und Praxis des Handels im weitesten Sinne studirt haben, auf alle Fortschritte und Veränderungen achten, und um alles Dieses mit Leichtigkeit zu fassen, sich viele dazu führende Grundkenntnisse erworben haben. Tüchtige Fortschritte des Handels können nur noch mit tüchtigen Kenntnissen Hand in Hand gehen.

Nach Darlegung der Bildungsbedürfnisse des Kaufmannes müſfste dann die Unter-

suchung folgen, ob zu deren Befriedigung auch die Geographie in ihrer Anwen-

dung anf den Verkehr gehöre, eine Untersuchung, deren ich mich mit Beziehung 5