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Industriellen und den Kaufmann interessiren, für die seine Schrift bestimmt sei, mehr Aufmerksamkeit und Raum widmen werde, als den andern. Becher definirt die Handels- geographie als„die Beschreibung der Erde in Rücksicht auf den Handel“ und fügt hinzu, sie befasse sich„ausschliefsend mit allen geographischen Angaben, die für den Handel nothwendig und nützlich sind.“ C. Crüger bezeichnet die Handelsgeographie als einen Wissenszweig, welcher„die Erzeugnisse der Natur und Kunst, wie den vielfachen Aus- tausch dieser Producte zum Gegenstande“ habe.*) Wie sehr diese Erklärungen von einander abweichen, eins ist ihnen gemeinsam: sie legen nur auf zweckmäſsige Auswahl des Materials den Nachdruck und verrathen von der Nothwendigkeit einer Umbildung des geographischen Stoffes bei seinem Herübertreten in die Handelsgeographie wenig Be- wuſstsein. Auf dem Wege der Abscheidung allein bildet nämlich unser Gegenstand sich nicht; man macht nicht Handelsgeographie, wie man Kaffeebohnen liest, durch bloſses Fort- werfen der fremden Bestandtheile. Wo liegt denn nun aber das Princip der Umgestaltung?
Des Begriffs kürzester Ausdruck ist das Wort Handelsgeographie selbst. Suchen wir dieses zunächst im Unterschiede zu Geographie schlechthin zu fassen. Da genügt seine Zusammenstellung mit Militair-, Cultur-, Religionsgeographie etc. schon, um Zweierlei er- kennen zu lassen, nämlich, erstens, daſs die Handelsgeographie zur Erdkunde überhaupt sich verhält, wie eine angewandte Disciplin zur reinen, und zweitens, daſs jene zu dieser zugleich in dem Verhältnisse eines abgeschiedenen Zweiges zur Stammwissenschaft steht.
Als Abzweigung von einer andern Wissenschaft empfängt sie von dieser ihre hauptsächlichste Nahrung, wird von deren Entwickelungsphasen stets mit berührt, tritt durch sie mit allen andern wissenschaftlichen Gebieten in Verbindung und steht ver- mittelst ihrer in Abhängigkeit namentlich zu denjenigen Wissenschaften, welche in stoff- licher Hinsicht den mütterlichen Boden der allgemeinen Erdkunde ausstatten und beleben. Als angewandte Disciplin aber drückt sie die reine Geographie in die Stellung einer bloſsen Hülfswissenschaft, eines dienenden Mittels herab, weil sie das Princip ihres Wachsthums, eigenthümlicher Gestaltung und Stoffanwendung in sich selbst hat.
Wo immer eine s. g. reine Wissenschaft zur Anwendung kommt, da tritt ein aufser ihr liegender Zweck herrschend auf. Er allein ist das Belebende für den auszuscheidenden Wissenscomplex. Zunächst bestimmt er die Auswahl des Stoffes. Dann aber müssen die verschiedenartigen Elemente in einer Beziehung zusammenstimmen, nach einem Punkte hin convergiren, wenn nicht ein bloſses Aggregat anstatt eines Systems entstehen soll. Dieser Einheitspunkt ist wieder der Zweck.
*) Heuser und Nischwitz geben keine Definition.


