Aufsatz 
Revision der deutschen handelsgeographischen Literatur, hauptsächlich aus dem Gesichtspunkte des Schulbedürfnisses / [Janson]
Entstehung
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Zwischen Crügers und Bechers Handelsgeographie zeigen sich bedeutende Ver- schiedenheiten. Jener behandelt mehr den äufsern, dieser mehr den innern Verkehr, jener mehr den See-, dieser mehr den Landhandel. Crüger begünstigt die Interessen des Kaufmannes vor denen des Industriellen, Becher macht es umgekehrt. Jener sagt mehr von den Handelsplätzen, dieser mehr von den Handelsstaaten. Crüger verliert sich als waarenkundiger Handelsmann, Becher als Statistiker und Nationalökonom oft ins Ein- zelne. Während sich bei dem Hamburger die Schlufsresultate meist dahin zusammen- drängen, zu zeigen, was seine Vaterstadt einem bestimmten Handelsplatze zuführt oder von da holt, spitzt sich bei dem Wiener schliefslieh Alles darauf zu, die Bilanz zu ziehen zwischen Staat und Staat.

An Elementen, welche der Handelsgeographie als solcher nicht angehören, fehlt es auch bei Becher nicht. Ich rechne dahin die Lehre vom Handel und die ökonomische Eintheilung der Producte, welche er im allgemeinen Theile seines Werkes gibt. Ueber die Bezeichnung der Modification, welche der Handel in die Darstellung der Geographie bringt, wenn sie lediglich oder vorzugsweise seinen Zwecken dienen soll, durfte dieser Theil der Einleitung nicht hinausschreiten. Im Uebrigen ist der allgemeine Theil von dem, was gewöhnlich unter diesem Titel in geographischen Lehrbüchern gegeben wird, nicht sehr verschieden.

Das statistische Material ist bei Becher reicher und zuverlässiger als bei Crüger. An calculativer Verwerthung desselben bleibt er aber hinter v. Reden noch zurück. Die Methode der Darstellung ist vorherrschend eine beschreibende. Im Vergleich zu voraus- gegangenen Leistungen kann man in dieser Beziehung einzelne Abschnitte musterhaft nennen, vor allen die Darstellung der österreichischen Länder, in welcher man ein überaus gutes Gemälde des innern Verkehrs hat. Mit groſser Genauigkeit sind für alle Dinge die Absatz- und Bezugswege angegeben, und obschon der Verfasser während Metternichs Verwaltungszeit schrieb, so blickt doch überall ein treibender, aber wohlmeinender Reform- geist aus seinen Zeilen heraus.

Auch der Theil, welchen ich als ein fremdartiges Element der Handelsgeographie betrachte, die Handelslehre nämlich, hat durch das Bestreben, ihn geographisch nützlich zu machen, manche schätzenswerthe Zugabe erhalten. In dem Capitel von den Erfor- dernissen, Mitteln und Anstalten zum Handel sind die vielartigen Artikel einzeln in statistischer Verfahrungsweise über die ganze Erde hin verfolgt. So mag denn auch in der bereits abgewalkten Blüthe des Becherschen Buchs für den Lehrer der Handels- geographie noch mancher nutzbare Kern sitzen.