Aufsatz 
Revision der deutschen handelsgeographischen Literatur, hauptsächlich aus dem Gesichtspunkte des Schulbedürfnisses / [Janson]
Entstehung
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kaufmännischen Bildung hin. Darum wird sie in allen Handelsschulen gelehrt, und die handels- wissenschaftlichen Eneyclopädie'n im Grundriſs des Systems, die in unserer dritten Gruppe vor- kommen werden, haben ihr sämmtlich einen Abschnitt gewidmet. Der Handelsstand verwirft die Handelsgeographie nicht. Wie könnten auch sonst die handelsgeographischen Artikel in den encyclopädischen Werken von lexikalischer Form so zahlreich und ausführlich sein, und wie gar die statistisch-geographischen Wörterbücher in den Comptoirs sich halten!

Dann ist es an der Zeit, die vorhandenen Werke der Handelsgeographie einer Prüfung zu unterwerfen, und es hegegnen sich in diesem Bedürfnisse beide, die Schule (s. oben Abschn. 3) und der Handelsstand. Dafs nicht die systematische Form überhaupt aufgegeben werden soll, geht aus den Abschnitten 7 und 9 hervor. Insofern diese Form die Trägerin wissenschaftlichen Gehalts und durch den Zusammenhang des Systems bildungwirkend ist, bleibt die Handelsgeographie, so lange sie Lehrgegenstand in Schulen sein soll, mit einer Strenge an sie gebunden, daſs die Lehrerwelt eine Handelsgeographie in systematischer Gestalt sich schaffen müfste, wäre sie von der Handelswelt auch schon ganz aufgegeben.

Stelle ich nun die existirenden Lehrbücher der Handelsgeographie unter das Licht des mir vorschwebenden Zieles, so zeigt sich in Ansehung der Leistungen ein Milsverhält- niſs des Sollens und Könnens. Sie haben auf der einen Seite Unmögliches angestrebt und auf der andern die wirkliche Leistungsfähigkeit ihres Gegenstandes noch nicht zur Hälfte ausgenutzt. Im Einzelnen und Kleinen haben sie zu viel versucht und im Ganzen und Groſsen zu wenig geleistet. Anstatt auf das erreichbare Ziel der systematischen Handels- geographie loszusteuern, auf eine bildende Erweiterung des geographischen Horizontes bei den Verkehrsständen, auf eine Darstellung der geographischen Bedingungen und Voraussetzungen des Handels überhaupt und nutzenbringender Unternehmungen im Be- sondern, mit einem Worte auf die Schärfung des grofſsen Blickes in Handelsangelegen- heiten, geriethen sie durch übermäſsige Begünstigung des kleinen Details in die für sie gefährliche Concurrenz der lexikalischen Nachschlagewerke mit ihren statistischen Special- übersichten und der Handelsjournale mit ihren detaillirten Jahresberichten.

Vermenge man doch, wo die Theilung und Abscheidung längst vollbracht ist, die Richtungen nicht mehr! Kommt es nämlich für den Geschäftsmann darauf an, im Niveau der mercantilen Gesammtentwickelung zu bleiben, die augenblicklichen Fluctuationen der einzelnen Geschäftszweigo und ihre Ursachen kennen zu lernen, von jeder herrschend werdenden Tendenz, überhaupt von jeder neuen Zeiterscheinung auf mercantilem Gebiete unterrichtet zu werden; so kann ihm das Journal durch Nichts ersetzt werden. Jede Frage aber nach irgend einer geographischen Specialität beantwortet das Lexikon, und