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S. Die Geographie als Wissenschaft.
Es ist im Vorigen wiederholt von Fortbildung der Handelsgeographie zur Wissen- schaft die Rede gewesen. Vielleicht ist dabei mehr als einem Leser ein Lächeln ge- kommen, dem einen, weil er sich erinnert, die Handelsgeographie in dem Kataloge „kanfinännischer Wissenschaften“ lüngst schon gefunden zu haben, und dem andern, der strengere Begriffe von Wissenschaftlichkeit hat, weil er im Sinne des übelwollenden Witzwortes, Geographie sei die Wissenschaft der Postillons, geringschätzig fragt: Kann dieser Gegenstand je Wissenschaft werden? Beiden antwortet dieser Aufsatz, wenn er darlegt, daſs die Handelsgeographie zwar noch nicht ist, was sie sein soll, dafs sie aber werden kann, was sie noch nicht ist.
Oder sollte ihr nicht möglich sein, was der Geographie schlechthin möglich war? Wer bestritte dieser auch da noch die Wissenschaftlichkeit, wo Männer, wie Luloff, Buache, Bergmann, J. Kant, Maupertuis und La Condamine, Delambre und Euler, Mercator und Bérghaus gearbeitet haben, wo vor Allen die A. v. Humboldt, L. v. Buch, Ritter, Dove, Kämtz, Burmeister, Studer u. A. thätig waren? Sind das auch vorwiegend Namen von Mathematikern, Physikern, Naturhistorikern, Geologen etc., so stehen sie doch mit Recht an dieser Stelle, denn sie haben die Geographie empor gebracht; die Mathematiker, indem sie die wahre Gestalt des Erdkörpers entdeckten, die Chartographie schufen, die Gesetze der geographischen Ortsbestimmung vom Himmel auf die Erde übertrugen und durch sie, sowie durch trigonometrische Höhenmessung u. A. noch heute die räumlichen Verhältnisse der Erdoberfläche beherrschen; die Naturwissenschaftner, indem sie, die Erdräume horizontal und vertical durchforschend, alle Elemente und Verhält- nisse des Starren und Flüssigen untersuchten. Diese Untersuchungen, die ununterbrochen fortgehen, werden geographisch, insofern sie die Beziehungen der Einzelkörper zum Erd- ganzen aufsuchen, der Wirksamkeit der Kräfte in der Totalität der Erscheinungen auf der Erdoberfläche nachspüren, überhaupt die Erkenntniſs des Tellurischen zum letzten Zwecke haben. Namentlich im Bereiche der physikalischen Geographie ist viel geleistet worden, und es liegen defshalb in diesem Zweige auch Bücher vor, welche den strengsten Ansprüchen auf wissenschaftliche Behandlung des Stoffes genügen. Ich erinnere— um von dem allumfassenden Werke C. Ritters nicht zu reden— nur an Studers„Lehrbuch der physikalischen Geographie und Geologie“*) und für den Bedarf höherer Schulen an Cornelius„Grundriſs der physikalischen Geographie“(1856, 2. Auflage).
* 1. Capitel(1. Band): Die Erde im Verhältniſs zur Schwere. 1844. 2.„(2².„): Die Erde im Verhältniſs zur Wärme. 1847.


