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Wie die Ansicht, die praktische Bestimmung eines geographischen Handbuchs erfordere eine absichtliche Vernachlässigung der wissenschaftlichen Form, falsch ist, weil jene Bestimmung nur eine stete Beziehung auf den Zweck und damit ein zur Formeinheit hinstrebendes Princip mehr in die Arbeit bringen kann, aufserdem auch die logische Natur ihrer Verbindung der praktischen Ausnutzung der Stoffe nicht entgegen ist; so ist es auch falsch, von der Beschaffenheit der zahlreichen Lehrbücher der Geographie, welche jene irrige Ansicht erzeugt hat, einen entscheidenden Grund herzunehmen, um die Frage, ob die Geographie wissenschaftlicher Behandlung fähig sei, zu verneinen. Der ungeheure Stoffreichthum der Geographie und die Mannigfaltigkeit seiner Beziehungen erleichtern zwar die willkürliche Auswahl und das unverbundene Gemenge des Materials, wodurch die Geographie in den Ruf der Unwissenschaftlichkeit kommt; sie entschuldigen solches Verfahren aber nicht, vielmehr machen sie um so grölſsere Strenge zur Pflicht. Der gerügte Fehler ist ein Fehler der Schriftsteller, nicht des Gegenstandes.
Einer Schwierigkeit jedoch, die allerdings im Gegenstande selbst begründet ist, mufſs noch gedacht werden, bevor diese Frage zu verlassen ist: die Bildung der Geo- graphie erfolgt auf zwiefachem Wege. Der eine geht vom Ganzen aus und strebt zu den Theilen hin, und der andere sammelt das Einzelne nnd steigt zum Allgemeinen auf. Jener formt und liefert die Systematik, dieser füllt durch Darbringung des Inhalts. Die tellurische Betrachtung, die Ableitung vom Allgemeinen und das Compendium herrschen in ersterer Richtung; die Reisebeschreibung, der detaillirte Handelsbericht, die specielle Topographie etc. dienen der letzteren. Das Zusammenwirken beider bedingt den Fortschritt der Wissenschaft. Allein es zeigt sich das Wachsen des Stoffes in die Breite der Detailkenntniſs seiner Beziehung aufs Erdganze und seiner formellen Beherr- schung durch systematische Einfügung in den Gesammtbau der Wissenschaft leicht überlegen. Daher stammt das irrationale Verhältniſs zwischen dem allgemeinen und dem besonderen Theile mancher geographischen Lehrbücher.
Dalſs aber die zwiefache Bahn der Entwickelung und das spröde Verhalten des geographischen Stoffes den Ansprüchen der Wissenschaft gegenüber nicht zufällig, son- dern im Gegenstande selbst begründet sind, lehrt nicht allein das unendliche Nebeneinander des geographischen Stoffes, sondern auch ein Blick auf das erste Stadium der Ent- wickelung geographischer Wissenschaft. Wenn wir von Eratosthenes absehen, weil von seinen Arbeiten uns nur sehr unbedeutende Fragmente geblieben sind, und von Strabo aus, der in seiner Geographie das Specielle wie das Allgemeine bedachte und sich gegenseitig durchdringen lieſs, zurückblicken, so läſst sich einerseits von Pythagoras, der zuerst die Kugelgestalt der Erde lehrte, und von Parmenides an, welcher die Erdoberfläche


