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*)„Lemberg. Hauptstadt des Landes, ist der Sitz des Guberniums, eines Kreisamtes, des Appellations- und Kriminalobergerichtes, eines mit dem Magistrate verbundenen Merkantil- und Wechselge- richtes, der Kameral-Gef.-Verwaltung und mehrerer anderer Stellen. Zu den sämmtlichen Gewerben Lembergs zühlt man 130 Schneider, 160 Schuster, 39 Schlosser, 14 Schmiede, 6 Kupferschmiede, 20 Klempner, 13 Gürtler, 50 Goldarbeiter, 8 Gerber, 48 Kürschner, 50 Tischler, 16 Böttcher, 12 Wagner, 12 Sattler, 7 Riemer, 36 Leinweber, 11 Tapezierer, mehrere Manu- fakturen, viele Branntweinbrennereien, Gerbereien, Lederverarbeitung, eine Wachskerzenfabrik. Zu den Handlungen gehören 5 Grosshandlungen, an 200 Detailhandlungen und 290 Kleinkrämer; darunter 26 Spezerei-, Material- und Farbwaaren-, 18 Schnittwaaren-, 15 Nürnberger- und Galanteriewaaren-, 14 Tuchwaaren-, 4 Leder-, 4 Glas-, Porzellan- und Fayence-, 1 Schreibmaterial- 2 Wachs-, 1 Eisen-, 4 Kunst- und Buchhandlungen, 1 Instrumenten- und Musikalienhandlung, 2 Möbelhandlungen u. s. w. Der Handel ist im Ganzen in Rücksicht auf Kommissions- und Speditionsgeschäfte von Wichtigkeit, denn die Stadt ist nach Brody der bedeutendste Handelsplatz im Lande, und der Handel wird durch die sogenannte Kontraktenzeit, die vom 14. Januar durch 6 Wochen dauert und einen groſsen Zusammenflufſs der Christen und Juden allhier veranlasst, sehr lebhaft. Die Handelsartikel, als: mit Flachs, Leinwand, Honig, Hanf, Unschlitt, Leder, Getreide, besonders Kleesamen, gehen nach allen Provinzen der Monarchie und in das Ausland.“
3. Schule und Handelsgeographie noch einmal.
„Vor den Augen der Uneingeweihten zu revidiren, ist gar leicht; warum bringt der Verfasser die handelsgeographische Frage in ein Schulprogramm, warum spricht er seine Ungenüge an der handelsgeographischen Literatur einem Publicum gegenüber aus, das von ihr, wie er selbst es weiss, nicht viel kennt? Will und kann die Realschule der Handelsgeographie unter ihren Lehrgegenständen einen Platz geben oder nicht? Das allein ist die Sache, über welche die Schule zu entscheiden hat.“
Nicht zu rasch, lieber Leser. Allerdings ist der Lehrstand dem gröfsten Theile seiner Glieder nach der Handelsgeographie ziemlich fremd geblieben; es besteht aber zwischen diesem Wissenszweige und dem Lehramte noch ein Verhältnifs, das mich berechtigt, auch diejenigen Punkte hier zur Sprache zu bringen, welche auf eine Reform des Gegenstandes selbst abzielen: die handelsgeographische Literatur ist gröfstentheils aus der Schule hervorgegangen.**)
*) Aus Bechers Handelsgeographie, B. I, S. 505 f..
**½) Es scheint, daſs die Abscheidung der Handelsgeographie als eines angewandten Zweigs der allge- meinen geographischen Wissenschaft bei den Deutschen sich ebenfalls zuerst im Kopfe eines Schulmannes vollzogen hat. Wenigstens habe ich bei einer regressiven Verfolgung der Handels-Geographie in frühere Zeiten hinein die erste vom Bewuſstsein des Zweckes getragene Unterscheidung zwischen Geographie schlechthin und Handelsgeographie bei dem Chemnitzer Schulrector Hager gefunden, welcher in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts seinen„Geographischen Büchersaal“ schrieb. Bei den Alten kommt zwar auch schon Handelsgeographie vor, aber nicht in zweckbewulster Abtrennung vom Stamme der geographischen Wissen- schaft, sondern in naiver Selbstständigkeit und Unbekümmertheit um das, was sonst etwa noch an geographi- scher Wissenschaft bereits vorhanden war.


