— 3—
dagegen kann die Form der meisten handelsgeographischen Schriften keine genieſsbare sein. In ihr ist betreffs der Behandlung der Geographie gleichzeitig eine gerade entgegen gesetzte Strömung eingetreten; wührend die Handelsgeographie immer noch an der Hand der lediglich mit Namen, Maſs und Zahl arbeitenden Statistik einherschreitet, hat sich im geographischen Unterrichte durch Hereinführung des concreten Lebens in die Rüume der Schule immer mehr das Princip der Veranschaulichung zur Herrschaft erhoben. Nachdem Vogel durch sein„Handbuch zur Belebung geographischer Wissenschaften“ (3 Theile, 1842— 1851) diese Behandlungsweise, welche den trockenen geographischen Schematismus mit Fleisch und Blut bekleidet, emporgebracht hat, ist namentlich Grube mit Glück in seine Fufstapfen getreten, und gegenwärtig wird die geographische Schulliteratur von den nachahmenden Bildermännern bis zum Ueberfluthen mit ihren Gaben versorgt..
Mit der nahverwandten handelsgeschichtlichen Literatur sind die Püdagogen schon vertrauter. Sie hat vielseitige Verknüpfungen mit der allgemeinen Geschichte und zeigt die Gestaltung der Verhältnisse in mehr concreter Weise. Auch wirkt die Ferne der Zeit verschönernd und verleiht dem Stoffe eigenthümliche Reize. Zwei Epochen nament- lich haben immer ebenso den gelehrten Forscher, wie den ungelehrten Leser mit zau- berischer Gewalt in ihre Kreise gezogen: diejenige des Columbus, welche die Periode des eigentlichen Welthandels eröffnete, indem sie in den Reichen der Natur und der Wissenschaft zugleich neue Welten erschloſs; und diejenige der alten Phönicier, welche im höchsten Alterthume schon für den Partialhandel der alten Welt die entferntesten Weiten umspannt hielten. Columbus selbst ist als beharrlicher Dulder, als kühner Ent- decker ein Mann des Volks, ein Liebling der Jugend geworden, und A. v. Humboldt, „der zweite Entdecker Amerika's“, hat durch seine„Kritischen Untersuchungen“ die Bedeutung des grofsen Genuesen und seiner unternehmungsvollen Zeit den Wissenschaft- lichen gegenüber für alle Folgezeit festgestellt. Auch sind die Verkehrsbeziehungen zwischen den alten Völkern aus dem Zusammenhange der Schulstudien in ihren Haupt- umrissen meist hinreichend bekannt, und diese Bekanntschaft ist öfters durch besondere Fachstudien, auch unter Schulmännern, nach mancher Seite hin zur Detailkenntniſs ge- steigert. Solcher Gunst der Strebenden hat sich die Handelsgeographie theils ihres mageren Inhalts, theils ihrer abstofsenden Form wegen nie zu erfreuen gehabt.
Erinnern wir uns an Heerens„Ideen.“ Es sind nicht allein nur die Ergebnisse seiner Forschung, welche Tausende an seine Werke gefesselt haben und diesen nach einem Menschenalter noch zahlreiche Leser verschaffen, es ist eben so sehr die geistreiche Ver- knüpfung der Resultate und das schöne Gewand seiner lebendigen Sprache. Ueberall ist Farbe, Wechsel, Leben. Solche Lectüre ist Genuss. Aehnlich bei Movers. In beiden
1*


