Aufsatz 
Über das Wesen des Komischen
Entstehung
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I. Metaphysik des Komischen.

Auf die Frage nach dem Wesen des Komischen wird der unbefangene Mensch sich zuerst nach den hervorstechenden Eigenschaften dieses Begriffs in der objektiven Erscheinungswelt umsehen.

Die Fülle des Materials, das uns die äulseren Sinne Auge und Ohr in erster Linie täglich zuführen, scheint in der Tat dafür zu sprechen, dafs wir es mit einem rein durch die Er- fahrung gegebenen zu tun haben. Die Komik scheint immer an gewisse äufsere Dinge und Gegen- stände, an Situationen und Handlungen, an Personen und Charaktere, an Motive und Worte ge- bunden zu sein.

Versuchen also auch wir, ob wir durch eine Ordnung und Sichtung des durch die Sinne gelieferten Stoffes zu einer Definition gelangen können, die alle unterscheidenden Merkmale enthält.

Wir stehen vor der ersten Schwierigkeit. Das Material, mit dem wir es zu tun haben, ist nicht nur äufserst reichhaltig, sondern auch sehr vielgestaltig nach seinen Arten und Formen. Ist es möglich, ein einheitliches Prinzip für die Teilung überhaupt aufzufinden? Vielfach hat man daran gezweifelt. Es gibt Philosophen, die über eine gewisse Zahl von Gruppen nicht hinausgekommen sind. Immerhin ist auch für den oberflächlichen Beobachter in dem, was das tägliche Leben, die Kunst, die Witzblätter, die komischen Aufführungen aller Art uns an Komischem bringen, viel Typisches zu bemerken. Gewisse Figuren die alte Jungfer, der Piccolo, Sere- nissismus, der Bauer in der Stadt, der Backfisch u. s. w. kehren immer wieder, gewisse Situationen und Lebenskreise bieten einen schier unerschöpflichen Stoff für immer neue Variationen derselben Motive.

Sehen wir vorläufig einmal von dem Ursprung der komischen Eigenschaften und Hand- lungen ganz ab und halten uns nur an die Erscheinungsweisen selbst! Wir haben auf diese Weise den Unterschied zwischen spontan hervorgebrachter oder bewulster Komik und zwischen passiver oder unbewuſster eliminiert. Für uns gehört auch jeder Streich, jeder tolle Einfall zunächst in den Bereich des rezeptiv Wahrgenommenen.

Wenn wir nun unsere Frage nach dem Gemeinsamen der Dinge und Wesen wiederholen, die sich unter diesem Gesichtspunkt zeigen, so ist allerdings das, was wir angeben können, herz- lich wenig.

Zweierlei mag uns in die Augen fallen. Erstlich: das Komische ist vorwiegend

auf den Menschen und auf menschliche Verhältnisse beschränkt. Dinge und Tiere er- 1*