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Weib oder anders jemand nicht tragen noch verkaufen lassen, sondern selbe zuvor Herrn Dechant und Kapitel anbieten soll und will.“
So gedieh denn das Stift zu Wohlstand und Blüte und wurde nur einmal auf kurze zwei Jahre aus seiner Ruhe aufgescheucht, als der Schwedenkönig Gustav Adolf auf seinem Siegeszuge durch Deutschland die geistlichen Güter zu Wimpfen im Jahre 1632 der hiesigen Stadtgemeinde schenkte; die Stiftsnerrn wurden verjagt, und ein lutherischer Prediger hielt Gottesdienst in der Stiftskirche. Als aber der siegreiche Schwedenkönig auf der Ebene bei Lützen einen frühen Tod gefunden hatte und seine führerlosen Schwe- den 1634 bei Nördlingen besiegt worden waren, da mußte Wimpfen, welches zu Schwedens Anhang gehörte, die geistlichen Güter den rechtmäßigen Eigentümern wieder herausgeben.
Des Stiftes letzte Stunde hatte 1803 geschlagen. Wir sahen, daß die geistlichen Güter zu Wimpfen schon vor der eigentlichen Stadt zusammen mit dem ganzen Bistum Worms, zu dem sie gehörten, an das Großherzogtum Hessen kamen, welches das Ritter- stift alsbald aufnob. Die Mitglieder wurden vom hessischen Staat durch einmalige Geld- zahlungen abgefunden, die Grundstücke, also Häuser, Aecker, Wiesen und die Gerechtigkeiten, die Jagd- und Fischereigerechtigkeit und die Zehnten gingen an den hessischen Staat über, der einen großen Teil davon noch heute besitzt und die Grundstücke verpachtet hat.
Das Schönste, was der hessische Staat bei dieser Säkularisation erwarb, war die Stiftskirche. Zunächst blieb diese noch kurze Zeit Pfarrkirche der katholischen Gemeinde Wimpfen im Tal, bis diese Gemeinde im Jahre 1818 der katholischen Pfarrei Wimpfen am Berg zugewiesen wurde.
Doch hat die katholische Kirche nach wie vor das Nutzungsrecht an dieser Kirche, d. h. sie darf dort Gottesdienst abhalten. Die Verwaltung des nunmehr staat- lichen Grundbesitzes, die Verpachtung der ehemaligen Stiftsäcker, geschieht durch die Oberförsterei Wimpfen.
In den Jahren 1900 bis 1903 hat der hessische Staat mit beträchtlichem Kosten- aufwand nach den Grundsätzen neuester Denkmalpflege das einzigartige Bauwerk der Stiftskirche durch Regierungsbaumeister Zeller stilgerecht, pietätvoll und historisch getreu restaurieren lassen, eine Sehenswürdigkeit für unsere Stadt, auf die noch heute das oben zitierte Wort des Chronisten Burkhard von Hall passt:
„Daher wird das ausgezeichnete Werk von der allseitig herbeikommenden Volks- menge bewundert; man lobt den Künstler, verehrt den Diener Gottes Richard.... und trägt weithin seinen Namen.“.
Damit sind wir am Ende unserer Wanderung durch Alt-Wimpfen angelangt.
Wir wanderten von dem stattlichen Bischofspalast des Wormser Hofes zur stolzen Kaiserresidenz der Hohenstaufen, wir bewunderten den kunstvollen Kreuzgang des Do- minikanerklosters und schritten hinüber auf die Höhe, von der aus die schlanken Türme der Stadtkirche weit ins Neckartal hinaus ihre stummen Grüsse senden. Wir bewunder- ten den Opfer- und Wohltätlgkeitssinn, der das Hospital zum heiligen Geist entstehen liess, und wir versenkten uns drunten im Tal in die zaubervolle Eigenart der kirchlichen Baukunst des Mittelalters und blickten hinein in der Kirchen ehrwürdige Nacht. Alle diese glanzvollen Bauten Alt-Wimpfens verdanken ihre Entstehung dem 12. und 13. Jahr- hundert, dem Zeitalter, da das schwäbische Fürstengeschlecht der Hohenstaufen Deutsch- lands Geschichte kraftvoll lenkte. Sieben Jahrhunderte sind seitdem ins Meer der Ewig- keit versunken.
„Viel des Edlen hat die Zeit zertrümmert, Viel des Schönen starb den frühen Tod.“
Anders ist die Welt geworden, und die Menschen sind andere geworden. Noch
immer aber stehen vor uns als gewaltige Zeugen längst verklungener Zeiten jene stolzen


