Aufsatz 
Die musikalischen Schätze der Gymnasialbibliothek und der Peterskirche zu Frankfurt a.M
Entstehung
Einzelbild herunterladen

kirche herrührende Sammlung(P), welche diese(R) trefflich ergänzt,*) mit aufzunehmen, und mir anvertraut wurde, die Arbeit so einzurichten, wie sie für die Zwecke der Musikgeschichte am dienlichsten sein würde. Diesen ehrenvollen Auftrag glaubte ich, gestützt auf den Rath musikalischer Freunde und einem ausgezeichneten Vorbilde folgend, durch möglichst genaue und vollständige bibliographische Aufnahme der vereinigten Sammlungen ausführen zu sollen. Mehr zu leisten als die Entfaltung des reichen Inhaltes, wie kritische Abwägung von Werthvollem und Werthlosem, die Ausfindung der für unsere Zeit noch practisch verwendbaren Werke, war bei der im Verhältniss zur Masse des Stoffs kurz bemessenen Zeit nicht möglich. Zahlen beweisen. Die Sammlung des Gymnasiums(R) enthält in 71 Nummern,(die Sammelwerke nicht ge- rechnet) 97 Werke von 63 Componisten, während die Sammlung der Peterskirche(P) 37 Werke von 24 Componisten bietet. Rechnet man aber die Sammelwerke hinzu, wodurch der Catalog selbstverständlich ein grösseres Interesse gewinnt, so beläuft sich die Zahl der Tonsetzer auf 228, deren Werke im Einzelnen aufzuzählen und zu beschreiben waren.

Die Bücher der Gymnasial-Bibliothek selber geben über ihre fata wenig Aufschluss. No. I der I. Abtheilung, das älteste Werk der Sammlung, gehörte dem Frankfurter Refor- mator Hartmann Beyer, ein anderes trägt die Inschrift: Matthias Sagittarius Organista. Da- gegen beweisen solche Inschriften für die andere Sammlung, dass dieselbe in der zweiten Hulfte des XVII. Jahrhunderts für die Peterskirche angeschafft worden sind. Man vergleiche z. B. die Namen Nicolai, Movius. Für Anordnung und Ausführung der Arbeit im Einzelnen hat mir zum Vorbild gedient das von competentester Seite als Muster musikalischer Bibliographie anerkannte Werk von Herrn Dr. Joseph Müller: Die musikalischen Schätze der Königlichen und Universitäts-Bibliothen zu Königsberg in Pr. Bonn. MD000LXX. Leider konnte ich Um- stünde halber diese Methode nicht auf alle hier aufgeführte Werke ausdehnen. Auch habe ich aus practischen Gründen sowohl auf diplomatische Treue in der typographischen Wieder- gabe der Titel, als auf Beibehaltung der Prakturschrift der Originale verzichten müssen. Dagegen sind die Vorreden, diese wichtigen Quellen der Musikgeschichte, vielfäch in Aus- zügen, einige, wie die des Ludov. Viadana, vollständig mitgetheilt worden.

Frankfurt a. M., 1. März 1872. Carl Israbl.

*) Man vergleiche die Namen: Briegel, Hasler, Massaini, Merulo, Monteverde, Scheidt, Speer, Vierdanck, von welchen Componisten beide Sammlungen verschiedene Werke aufweisen, wührend viele, wie Berger, Dedekind, Grimm, Hammerschmied, Filippo de Monte, Piccioni u. a., vor allen Lud. Viadana nur in Sammlung P. sich finden. Selbst in dem einzigen, beiden Sammlungen gemein- schaftlichen Werke(Hieron. Praetorius) ergänzen sie sich, da der in Sammlung R. fehlende Basso Continuo in Sammlung P. vorhanden ist.

2