Vorbemerkung.
Die vorliegende Arbeit enthält nicht, wie in Folge eines Missverständnisses erwartet worden zu sein scheint, eine Musikgeschichte Frankfurts,(wie könnte diese in einem Schul- programme niedergelegt werden?)— sie enthält nicht einmal die von mir allerdings für das Vorwort ausgearbeitete musikgeschichtliche Abhandlung(über den Prankfurter Kapellmeister Joh. Andr. Herbst), welche wegen des so schon übergrossen Umfangs der Arbeit zurückgezogen werden musste, sondern sie enthält nur eine ausführliche Beschreibung der im Besitz der Gymnasial- Bibliotheh befindlichen musikalischen Schätze, einschliesslich einer kleinen, aus der Peterskirche stammenden Musikalien-Sammlung. Beschäftigt mit den Vorarbeiten zu einer Geschichte des Musikwesens in Frankfurt, hatte ich im verflossenen Sommer zuerst in der Bibliothek des lutherischen Gemeindevorstandes alte Musikbücher aufgefunden, welche nachweislich in der Peterskirche in Gebrauch gewesen, später unbeachtet, ungeordnet hier niedergelegt worden sind. Diese Sammlung besteht aus nahezu 40, zum Theil sehr werthvollen Werken, die dem XVI., zumeist aber dem XVII. Jahrhundert angehören. Hatte nun die kleine Peterskirche, welche erst 1675 durch das Braumann'sche Legat einen eigenen Fond für die Kirchenmusik erhielt, schon solche Werke besessen, so lag es sehr nahe, nach etwa noch vorhandenen Sammlungen aus den andern, grösseren Kirchen der altberühmten„des h. Reichs freyen Wahl- und Krönungsstadt“ zu suchen. In der That fand ich bald im Besitz des Gymnasiums eine aller Wahrscheinlichkeit nach aus der Barfüsserkirche stammende musikalische Bibliothek, die, etwa dreifach umfang- reicher als jene, und gleichfalls hauptsächlieh aus Werken des XVII., theilweis des XVI. Jahr- hunderts bestehend, nicht allein über das Musikwesen in Frankfurt erwünschtesten Aufschluss darbietet, sondern einen weit über locale Interessen hinausreichenden Werth für die Musik- geschichte überhaupt in Anspruch nehmen darf. Denn da finden sich nicht allein hochbe- rühmte Namen, wie Josquin, Ludw. Senfl, die beiden Gabrieli, Hasler, Hammerschmied, Hier. Praetorius, H. Schütz, Sam. Scheidt, sondern vor allem eine überraschend grosse An- zahl italienischer Componisten aus jener Zeit, in welcher Italien die musikalische Weltherr- schaft errang und italienischer Einfluss in Deutschland Epoche machend wurde. Da haben wir des Lud. Viadana opera omnia, Werke von Agostino Agazzari, Stef. Bernardi, Ant. Cifra, Legrenzi, Biasio, Tomaso, Turini u. s. w., endlich Namen, die völlig unbekannt klingen; wie denn die ganze für die Musikgeschichte so wichtige Epoche, welcher die meisten Werke dieser Sammlung angehören, überhaupt noch nicht genügend dargestellt ist. Mit Freuden ergriff ich daher den Antrag, einen Catalog dieser Musikalien für die Drucklegung im nächsten Programm des Gymnasiums anzufertigen, zumal da mir gestattet wurde, jene kleine, aus der Peters-


