Aufsatz 
Herder und Schillers Wallenstein
Entstehung
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würde er in dem Gedichte nur die Auffassung und Darstellung vom Fall und Ende seines Helden wiedergefunden haben, wie er sie aus der(ebenfalls von Jesuitenhand ver- faſsten) Schrift, der er als Geschichtsschreiber widerstrebend gefolgt war, hinlänglich kannte. Uns heute, wenn wir diese leidenschaftlichen und wiederum barock ver- künstelten Strophen lesen, in deren sapphischem Schema die vertrauten Schillerschen Gestalten sich seltsam ausnehmen, werden sie zu einem lehrreichen Commentar be-

Annalen(Hempel Bd. 17 S. 35) mit Wärme von Baldes Gedichten:»Von reichem Zeitgehalt, mit deutschen Gesinnungen ausgesprochen, wären sie immer willkommen gewesen; kriegerisch verworrene Zeitläufte aber, die sich in allen Jahrhunderten gleichen, fanden in diesem dichterischen Spiegel ihr Bild wieder, und man empfand als wie von gestern, was unsere Urvorfahren gequält und geängstigt hatte.« An- klänge an Balde-Herder in Schillers gleichzeitigen Gedichten fehlen nicht ganz. So erinnern einige Züge in Baldes schwungvollem Hymnus ,Götterleben an Schillers ‚Ideal und Leben::

Dich besing' ich, wahres Leben,

Süfses Leben, Götterleben,

Das kein Alter je beleidigt,

Keine Hora neidend kürzet,

Das in Paradiesesströmen

Nektar uns und Milch und Honig, Seligkeit und Freude strömet. Wo im Purpurlicht Aurorens

Unverwelkt der Freundschaft Rose

Und der Liebe Rose blühet.

Jene feiern in Triumphen

Schwere, frohbestand'ne Leiden,

Schauen unter sich die Erde,

Eingehüllt in Blitz und Wolken

Und in dunkle Nacht und Nebel.

Sie in ew'ger Friedensaue

Werden nie des Friedens müde.

Ihre Dienstbarkeit ist Freiheit,

Ihre Thätigkeit Erquickung,

Einklang ihre Wechseltöne,

Harmonieen ihre Zwietracht; all ihr Leben ist Gesang.

Mit Schillers Distichon»Wahl«:

Kannst da nicht allen gefallen durch deine That und dein Kunstwerk, Mach' es wenigen recht, vielen gefallen ist schlimm.

hat F. Jonas(Vierteljahrschrift für Litteraturgeschichte Bd. 1 S. 159) Balde-Herder,»Der Beifall«(Bd. 27 S. 135) zusammengestellt: Allen immer gefallen ist ein Glücksspiel, Wenigen gefallen ein Werk der Tugend, Wenn's die Besseren sind. Gefallen niemand Schmerzet und kränket.

Soll ich wählen? Ich wählte gern die Mitte, Wenigen gefallen und nur den Besten. Aber unter beidem, ob allen oder

Keinem? O keinem!

(Vgl. den Schlufs der Ode ‚Die Gegenwehr 27, 150:

Fahr' also fort du, Tapfer zu handeln und zu miſsfallen.)