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Implentem tumidis ambitionibus Sejani stadium nempe et equus tulit Sejani properatis Collapsus male passibus.)
Niemand, sagt Herder in der trefflichen Charakteristik, dem»Kenotaphium« Baldes, die er der im dritten Teil der Terpsichore übersetzten Nachlese aus dessen Ge- dichten vorangestellt hat, werde es dem römisch-katholischen Geistlichen, der eine Zeit lang dem Hofe zu München predigte, verdenken, daſs er im Dreiſsigjährigen Kriege die Partei der Ligue nahm, deren Haupt sein Kurfürst war, dals Tilly sein Held ist, dafs er die Siege des österreichischen Hauses feiert, daſs ihm das Glück der Schweden, selbst Wallensteins Glück verhafst war, und daſs er die Unthaten seiner Gegner sehr zur Schau stellt.»Leider war dies die sogenannte Staatsraison beider gegeneinander sehr erbitterten Parteien. Dreiſsig Jahre zogen die Kinder Deutschlands in ihrem eigenen Lande umher, um allenthalben die Brust der Mutter zu verwunden, die Gebeine ihrer Brüder zu zertreten. Es war kein Religions-, sondern ein Plünderungs- und Raubkrieg, der den herumziehenden Horden wohlgefieli), den sie also auch wohl verewigt wünschten. Je länger die Verwüstung währte, desto parteiloser ward jedermann.« Auch bei Balde bemerkte man zuletzt keine Parteilichkeit mehr, während er früher»sich von seiner ge- nommenen Partei so aufbringen lieſs, daſs er z. B. über den an Wallenstein begangenen Mord frohlockte.«
Baldes vom Parteihafs dictierte Ode auf Wallensteins Tod hat Herder, um»zur Ehre des Dichters jede Spur solcher Fehler von der Terpsichore fern zu halten«, nicht übersetzt, und so hat sie vermutlich und höchst wahrscheinlich auch Schiller nicht kennen gelernt, so sehr ihn der von Herder auferweckte Dichter ansprach ²). Auch
¹) Straflose Frechheit spricht den Sitten Hohn, Und rohe Horden lagern sich, verwildert Im langen Krieg, auf dem verheerten Boden.
Auch hier im Prolog neben der Schilderung der Kriegszeit der Hinweis auf den Gegensatz der Parteien.— „Horde“ in diesem Sinn ist nach dem Deutschen Wörterbuch erst seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts in der edleren Sprache gebräuchlicher.
2²) An Körner 17. Mai 1795:»Soweit ich darin las, ist es eine sehr glückliche Arbeit, und ein solcher Dichter war es in jedem Betracht wert, in einer so schönen Form aus der Vergessenheit auf- zustehen.« Körner rühmt Balde(an Schiller 22. Mai 1795) viel Originalität und sehr glückliche Ideeen nach; Schiller wünschte dringend, dafs er eine Recension der Terpsichore übernähme(2. und 12. Juni 1795).— Goethe an Herder, Mai 1795:»Recht herzlich danke ich für deinen Dichter, er bleibt bei jedem Wiedergenufs derselbe, und wie die Ananas erinnert er einen an alle gutschmeckenden Früchte, ohne an seiner Individualität zu verlieren.«*) Auch noch bei spätem Rückblick spricht Goethe in den
*) Herder, Briefe zur Beförderung der Humanität, Siebente Sammlung, 1796(Suphan Bd. 18 S. 114): Mithin halte ich nicht nur für keine Schande, wenn man uns Nachahmung vorwirft; vielmehr vermehrt es den Reichtum unsrer Gedanken und Wendungen, unsrer Vorstellungs- und Sprachweisen, wenn wir, wie keine andre Nation thun kann, die Gestalt fremder Idiome mit überlegendem Verstande und weiser Hand nachbilden.—— Die Ananas, die tausend feine Gewürze in ihrem Geschmack vereint, trägt nicht umsonst eine Krone,


