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eine Lücke in der Motivierung bleibt, in diesem Fall in der Begründung einer monolog- artigen Betrachtung, die einem poetischen Bedürfnis der Scene die Rücksicht auf dra- matische Consistenz des Ganzen unterordnet? Und sollte zur Erklärung dieser proble- matischen Aufserung Wallensteins nicht der Hinweis dienen können, daſs darin die an- geführte allgemeine Reflexion bei Herder auf das Verhältnis Wallensteins zu Butler angewendet ist, eine Anwendung, die sich vortrefflich in die Schicksalsgedanken des Stückes fügt, mit Wallensteins Handlungsweise Butler gegenüber aber schwerer ver- einbar ist?—
In den halb melancholischen Betrachtungen des Horenaufsatzes über das an die richtige Beurteilung des Zeitmomentes gebundene Schicksal klingt, wie Haym be- merkt, das Thema von der Veraltung und Verjüngung menschlicher Seelen an, das Herder in ‚Tithon und Aurora“(Zerstreute Blätter, Vierte Sammlung 1792) schön und vielseitig behandelt hatte. So klingt wiederum an jene Betrachtungen die beschaulich stimmungsvolle Gordon-Scene an, die fünfte des fünften Aktes von Wallensteins Tod. In der Jugend, heiſst es bei Herder, dürfe man wagen, das Glück sei ein Weib und gefalle sich an Etourderieen der Jugend. Wehe aber dem, der von den Wagnissen der jüngeren Jahre, in denen es ihm beigestanden, nur das Bewuſsstsein verfehlter Pläne davontrage.»Mancher blühete wie ein Feigenbaum früh, ehe noch seine Blätter da waren, die Blüte ging bald vorüber. Mancher wie der Mandelbaum spät und bei grauen Haaren, daher er auch seine Blüte ins Grab nimmt« Der nüchterne Mann nehme sich die Sophrosyne zur Freundin, die Göttin Nüchternheit bewahre ihn vor dem Schicksal, sich selbst zu überleben. Es gebe glücklich geborene Menschen, denen alles gerate, denen alles wohl anstehe, aber»auch sie haben einen höchsten Punkt, den sie nicht überschreiten dürfen, sonst sagt das alte Sprichwort; die hohen Steiger fallen gern, die guten Schwimmer ertrinken gern.“ Caesar, der diese Zuversicht zu sich in hohem Mafse und doch nicht im Übermaſs hatte und sich auch in den letzten Tagen sicher glaubte, irrte sich an seinem Glück und ward ermordet.— Wallenstein zu Gordon:
So bist du schon im Hafen, alter Mann?
Ich nicht. Es treibt der ungeschwächte Mut
Noch frisch und herrlich auf der Lebenswoge.
Die Hoffnung nenn' ich meine Göttin noch,
Ein Jüngling ist der Geist, und seh' ich mich
Dir gegenüber, ja, so möcht' ich rühmend sagen, Dafs über meinem braunen Scheitelhaar
Die schnellen Jahre machtlos hingegangen.
Wer nennt das Glück noch falsch? Mir war es treu
Zwar jetzo schein' ich tief herabgestürzt,
Doch werd' ich wieder steigen, hohe Flut
Wird bald auf diese Ebbe schwellend folgen. Gordon aber erinnert ihn an»den alten Spruch«:
Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.
Mit Caesar vergleicht sich Wallenstein selbst in dem Gespräch mit Max: 2


