Aufsatz 
Animadversiones ad L. Annaei Senecae philosophi scripta
Entstehung
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III. Chronik der Realschule.

Am Schlusse der Osterferien, welche vom 25. März bis zum 8. April 1888 dauerten wurden 16 neue Schüler aufgenommen; am 9. April fand vormittags die Prüfung derselben und am Nachmittag die Eröffnungsfeier statt. Die neu eingetretenen Schüler wurden vor- schriftsmässig durch Handschlag auf die Schulordnung verpflichtet. Am folgenden Tage, 7 Uhr morgen, begann der Unterricht.

Am 30. April wurden die Lehrer auf Kaiser Friedrich vereidigt, nachdem der zum Kommissar ernannte Direktor den Schwur zuerst geleistet hatte.

Die Pfingstferien dauerten vom 19.23. Mai.

Der Nachmittagsunterricht fiel aus am 15. Juni infolge des Eintreffens der Todesnach- richt Kaiser Friedrichs, desgleichen musste er am 4. und 25. Juni wegen zu grosser Hitze ausfallen..

Am 30. Juni früh 9 Uhr wurde die Totenfeier des Höchstseligen Kaisers Friedrich mit Choralgesang, Gebet und einer von Herrn Dr. Bauder gehaltenen Rede begangen. Der Feier wohnte Herr Geheimrat Dr. Lahmeyer bei. An demselben Tage um 11 Uhr nahm Herr Direktor Goepel von der Stätte seiner langjährigen, segensreichen Wirksamkeit Ab- schied. Die Worte, welche er bei dieser Gelegenheit an die Anwesenden richtete, lassen wir hier folgen:

Mit tiefbewegtem Herzen betrete ich heute zum lesztenmal diesen Lehrstuhl, um Abschied zu nehmen von einer Unterrichtsanstalt, die länger als 43 Jahre unter meiner Leitung gestanden. Es war am 16. October 1844, als ich das schon jahrelang hier bestehende, von Professor Tellmann gegründete Knaben-Institut mit 28 Schülern übernahm, welche grösstenteils zu den unteren Klassen eines Gymnasiums vorbereitet wurden.

Das dringende Bedürfnis der Bürger Homburgs, als einer damals neu aufblühenden Badestadt, wohl- erkennend, fügte ich alsbald dem kleinen Progymnasium eine Realabteilung hinzu, in welcher besonderes Ge- wicht gelegt ward auf Erlernung neuerer Sprachen, auf Mathematik und Naturwissenschaften. Schon nach kurzer Zeit hatte sich dadurch das Institut so gehoben, dass ich wiederbolt genötigt war, für die Anstalt grössere Räumlichkeiten zu erwerben, und dass ich dieselbe, als sie 1865 in eine öftentliche Lehranstalt ver- wandelt wurde, mit 160 Schülern an dieHöhere Knabenschule wie man sie damals benannte abgeben konnte.

Nachdem die Landgrafschaft Hessen-Homburg 1866 dem Königreich Preussen einverleibt worden war, beeiferte man sich, die Anstalt dem preussischen Klassensystem anzupassen, und bereits 1869 wurde sie vom Königlichen Kultusministerium als Realschule II. Ordnung anerkannt. Im nächsten Jahre, 1870, wurde das jetzige neuerbaute Schulhaus feierlich eingeweiht.

Zehn Jahre später wurde die daneben bestehende Progymnasial-Abteilung auf Verlangen des hiesigen Gemeindevorstandes durch Aufsetzung einer Ober- und Untersekunda erweitert, so dass von da ab die Schüler derselben bis zur Prima eines humanistischen Gymnasiums vorbereitet werden konnten. Endlich ward im Jahre 1884 die lateinlose Realschule auf Antrag des Herrn Departementsrats Dr. Lahmeyer in ein Realprogymnasium umgewandelt, welche Neuorganisation bereits bis zur Ober-Tertia inclus. vorgeschritten ist.

Indem ich mich insonderbeit an Euch, liebe Schüler, wende, bitte und vermahne ich Euch in dieser Abschiedsstunde, auch fernerhin alle Eure Kräfte anzustrengen, um in den Wissenschaften weitere Fortschritte zu machen: zu Eurem Nutzen, zur Freude Eurer Eltern, zur Ehre der Lehraustalt, welcher Ihr Euren Jugend- unterricht zu verdanken habt. Den Gehorsam, die Achtung, die Anhänglichkeit, die Ihr mir seither er- wiesen, übertragt mit freudiger Zuversicht auf meinen Amtsnachfolger, Herrn Direktor Dr. E. Schulze. Ich hege die feste Ueberzeugung, dass er seine volle Manneskraft daran setzen wird, Euch nicht nur in den Wissenschaften zu fördern, sondern auch zu gottesfürchtigen, tüchtigen, vaterlandsliebenden Bürgern des Staates erziehen zu helfen. Auch mein Streben war ja unausgesetzt darauf gerichtet, dies Ziel zu erreichen, und ich danke heute meinem allgütigen Schöpfer, dass er mir bis zu meinem 76. Lebensjahre die Kraft ver- liehen und erhalten hat, mein Amt pfiichtgetreu wahrnehmen zu können. Wenn ich nicht mehr bei Euch bin, begleiten Ruch gleichwohl meine desten Wünsche für Euer ferneres Wohlergehen. Der allmächtige Gott, der Lenker der Menschenschicksale, er segne und behüte Euch auch in Zukunft, er schenke Euch seinen Himmels- frieden für und für!..

Auch von Ihnen, meine wertesten Herren Kollegen, nehme ich heute Abschied, indem ich hiermit meine Direktorstelle niederlege. Amtlich werden wir fürderhin getrennt sein, aber gegenseitige Achtung und Freund- schaft werden uns ich bin dessen sicher wie seither auch weiterfort verbunden halten. Ebenmässig sage ich auch Ihnen, verehrteste Herren vom Curatorium, ein herzliches Lebewohl, indem ieh heute auscbeide