etwa noch 255 tacitae per amica silentia lunae in Be- tracht, wenn auch amica aus der Situation heraus ver- standen werden muss; ferner 312 igni freta lata relucent und 5690 dant clara incendia lucem erranti passimque oculos per cuncta ferenti könnte mit den vorangehenden Versen den Stoff zu einem Bild in Rembrandischer Manier abgeben.—
Vs. 768 liegt eine Verbindung der Beleuchtungs- und der Schallwirkung vor: ausus quin etiam voces iactare per umbram. Auf die Vorstellung mächtiger oder stimmungsvoller Schallwirkung legt der Dichter auch sonst noch Gewicht 2z. B. 53, 113, 222, 243, 298, 301, 308, 313, 338, 466, 487 ff., 679, 728. Diese Stellen zeigen zugleich eine Nüancierung der Schallwirkung.— Die verwirrende Wirkung der Dunkelheit in Verbindung mit der Stille auf ein ohnehin schon erregtes Gemüt zeigt sich 725 ff. Auch bei dem Bilde der zerstörten Stadt 755— 759 spielen die Beleuchtungseffekte in Verbindung mit der Stille nach dem Toben des Kampfes eine Rolle. Dass Vergil 801 den nach den Schrecken der Zerstörungs- nacht den Flüchtlingen so sehr ersehnten Morgenstern sich ausdrücklich iugis summae Idae erheben lässt, ist zwar in der Oertlichkeit selbst begründet, scheint aber gleichzeitig auf eine dem Dichter geläufige oder sym- pathische landschaftliche Anschauung hinzuweisen. Das Gefühl für die Himmelserscheinungen spiegelt sich auch in 255, 488 und 693— 97. Mächtig wirkt im zweiten Gesang der Gegensatz zwischen dem Schicksal Trojas und der schönen Vergangenheit, der Umstand, dass es eine grosse, ruhmreiche Zeit ist, die einen so schreck- lichen Abschluss gefunden hat. Tenedus, einst reich und mächtig, ist durch den Krieg zu einer öden Insel geworden. Die Verteidiger der Burg reissen die vergol- deten Pfeiler der altehrwürdigen Prunkgemächer los und schleudern sie auf die Feinde. Aeneas benützt einen Durchgang, durch den in glücklichen Tagen Andro- mache den kleinen Astyanax zu den Grosseltern zu bringen pflegte— Vergil sagt incomitata, ein Gegen- satz, der dem hom. Zeitalter ferne lag, auch denkt sich Vergil hier den Astyanax älter, als er in der llias er- scheint.— Neoptolemos eröffnet mit rauher Hland das Innere der Burg und schafft den Griechen Eingang in die ehrwürdigen Räume, und Klage- und Wehrufe er- schallen da, wo sonst Festesfreude geherrscht hatte. Wie ein uralter Baum auf steiler Bergeshöhe den Axthieben der Landleute erliegt, so erlag die uralte Königsstadt der Gewalt der Griechen— und der feindlich gesinnten Götter.— Bei Flomer erfahren wir über den Palast des Priamus nur Formelhaftes, Vergil erwähnt, dem Geschmack seiner Zeit entsprechend fastigia, turres, domorum culmina, auratae trabes, einen in praecipiti stehenden sub astra emporragenden Turm, der aus einzelnen Stockwerken besteht und eine weite Rundsicht bietet(vrgl. I 180, 181.) Er erstreckt sich im Sturz late super agmina Danaum. Ferner ist die Rede von einem vestibulum, von postes aerati, von atria longa und cavae aedes, die wirkungsvoll das Wehhklagen der Frauen widerhallen lassen, von den zahl- reichen Gemächern, von den postes auro barbarico et spoliis superbi. Wir sehen vor uns den Hofraum mediis
in aedibus nudo sub aetheris axe mit dem ge- waltigen Altare, den ein uralter Lorbeerbaum überschattet. Polites flieht durch die langen Säulengänge und blickt spähend durch die verödeten Hallen. Der Dichter will durch Dimensionen, Pracht und zeitliche Ferne die Vor- gänge möglichst wirkungsvoll machen. 489, 490 sind nur schwach an Apollon. IV 26 angelehnt, enthalten aber ein ergreifendes Bild.(verglw. sei darauf hinge- wiesen, dass sich Od. V keine einzelne Stelle findet, die den Affekt enthält, den Preller in das Bild Kalypso aus den Odysseelandschaften gelegt hat.)— Alte verlassene, einst vielbesuchte Kultorte, wie II 713—714 einer erwähnt wird, mögen dem Dichter auch aus eigener Anschauung bekannt gewesen sein.— Dem Naturgefühl einer durch die Kultur der Natur entrückten Zeit entspricht es, dass das Haus des Anchises secreta, arboribus obtecta villenartig in idyllischer Abgeschiedenheit gelegen ist, ebenso wie es uns befremdet, dass I 441 sich mitten in der neugegründeten Stadt ein lucus laetissimus umbrae befindet. Eine psychologische Feinheit liegt in der Ver- kettung der Umstände, die das Erwachen des Aceneas herbeiführen(268— 302)(der beunruhigende Traum und das Näherkommen des Waffenlärmes.) 310—12 über- tragen vielleicht in einzigartiger Weise das städtische Leben mit seinen Beziehungen in die sagenhafte Zeit. Der Dichter lässt den Aeneas trojanische Namen in einen localen Zusammenhang bringen, der dem griechischen Dichter ferner liegen musste. Beachtenswert ist auch des Dichters Vorliebe für die eigenartige Gestalt der Cassandra, (sie ist noch an 6 Stellen erwähnt) die ihn die stimm- ungsvolle Scene 402 ff. gestalten liess.—
Das Schicksal des Priamus erinnert den Aeneas an seinen Vater, der aequaevus ist, daher macht er sich auf, sein Hleim aufzusuchen. So betätigt er seine pietas und der Zusammenhang zwischen zwei verschiedengearteten Teilen der Handlung ist psychologisch motiviert. Als unhomerisch im ganzen Empfinden kann man 635 ff. bezeichnen, wenn auch der Dichter mit seinem Sinn für das Familienleben menschlich schöne Züge wie z. B. 673, 74 und 685—87 eingeflochten hat(vrgl. 137, 38, auch 457 und 724.) Bei dem Verschwinden der Creusa wirkt Menschliches und Göttliches zusammen. Vorbereitet ist es schon 725. Die Götter wollen ihre Entrückung, menschl. Umstände sind schuld daran, dass sie unbe- merkt bleibt; dadurch hat Aeneas Gelegenheit, seine Gattenliebe zu bekunden und einen Blick auf die zer- störte Stadt zu werfen. Wie sonst wirkt Vergil auch in II durch hyperbolische Dimensionen(vrgl. 15 instar montis equum.) Starke Affekte und ihre Aeusserung s. 120 gelidus per ima cucurrit ossa tremor, 174 salsus per artus sudor it(allerdings zunächst vom Pallasbild), 212 diffugimus visu exsangues, 222 clamores simul horrendos ad sidera tollit, 244 caeci furore, 2288 graviter gemitus imo de pectore ducens, 307 stupet inscius pastor, 314 Arma amens capio, 488 ferit aurea sidera clamor, 679 gemitu tectum omne replebat, 774 obstipui steter- nutque comae vox faucibus haeret. Die Erwägungen und Reflexionen, die über den hom. Gedankenkreis hinaus- gehen und oft in dem, man möchte sagen preziös ge- wählten Ausdruck stecken, aufzuzählen, ist unmöglich.


