solchen, nicht unmittelbar von einem Cott gefertigten Bildwerken(vrgl. dazu 640, 41), ferner die Darstellungen aus jüngster Vergangenheit in so entlegener Gegend (schwach motiviert durch 619 ff.) endlich die Verwertung für die Schilderung der Stimmung; welch' unhomerisches Gefühlsleben und welche Reflexion über dasselbe setzen 454 artificumque manus intra se operumque laborem miratur und 464 animum pictura pascit inani voraus? Auch zu den schmerzlichen Abschiedsworten, die Aeneas 407 ff. seiner scheidenden Mutter nachruft, findet sich keine hom. Parallele, crudelis tu quoque weist auf ein an Enttäuschung reiches Leben hin. Eine Verschiebung
des Bildungsniveaus zeigt sich zunächst in dem Inhalt
des Liedes, das Jopas singt; sie tritt aber auch in dem geographischen Gesichtskreis zu Tage. Aeneas weiss 385 dass er, wenn er sich in Libyen befindet, weder in Europa noch in Asien ist. Bei Homer ist auch Sinn für grosse Entfernungen vorhanden, auch die äussersten Enden der Erde werden— mythisch natürlich— in Betracht gezogen, aber es fehlt offenbar der Ueberblick und der Zusammenhang der Ländergruppen und der Teile des Meeres, wie er sich bei dem geogr. Gesichtskreis Vergils von selbst ergab. Bella iam fama totum vulgata per orbem hätte Homer trotz Od. 9, 20 nicht gesagt, ebensowenig 460 quae regio in terris nostri non plena laboris, oder 600 quae me cumque vocent terrae. Natürlich spielt bei solcher Wendung auch die Vorliebe Vergils für das Hyperbolische eine Rolle.
Vs. 567, 68 liegt die Vorstellung von Ländern, die durch ihre geogr. Lage dem Weltverkehr entrückt sind, zu Grunde.— Zu beachten ist der historische Wert der Gaben 647 ff. Der Dichter verlegt ein Interesse einer viel späteren Zeit, in die Zeit nicht lange nach der Zer- störung Trojas und ersetzt gewissermassen die Differenz der Zeiten durch die des Ortes.(Troja und Karthago.) Alle Einzelheiten kann man nicht aufzählen, gleichwohl sollen noch einige charakteristische Ausdrücke folgen. 36 aeternum servans sub pectore vulnus. 50 flammato corde volutans. 56 mollit animos et temperat iras. 91 praesentemque viris intentant ommia mortem. 197 dictis maerentia pectora mulcet. 249 nunc placida compostus pace quiescit. 340 auri caecus amore(Zeitgeschichte!) 371 suspirans imoque trahens a pectore vocem. 451 Aeneas sperare salutem ausus et afflictis melius confidere rebus. 521 placido sic pectore coepit. 603 di tibi, siqua pios respectant numina, siquid usquam iustitia est et mens sibi conscia recti praemia digna ferant. 562 solvite corde metum, Teucri, et secludite curas. 672 haud tanto cessabit cardine rerum. 678 puer, mea maxima cura. 748 varia noctem sermone trahebat. 749 infelix Dido longum bibebat amorem. Dem rõm. Sinn für Pose entspricht 405 et vera incessu patuit dea. Eine Beobachtung, wie dederat comam diffundere ventis ist wohl auch nicht ho- merisch. Vielleicht ist der Dichter von der bildenden Kunst beeinflusst. Lebhafter Gefühlsäusserung entsprechend 93 duplices tendens ad sidera palmas und 580 iamdudum erumpere nubem ardebant, 611 lIlionea petit dextra lae- vaque Serestum. Eine Stimmung legt der Dichter auch in den Gegensatz zwischen 480, 81 und den Worten diva solo fixos oculos aversa tenebat.— 387 auras vitales
carpis und 546 si vescitur aura aetheria lassen so recht jeden Atemzug als Geschenk der Gottheit und der Natur erscheinen. Die Umschreibung des Begriffs„immer“ 607 ff. vergegenwärtigt uns Naturbilder im grössten Stile, die uns an die den Worten Schillers„und die Sonne Homers sie leuchtet auch uns“ und an die ihnen zu Grunde liegende Stimmung erinnert. Zu den unepischen an das Drama erinnernden Zügen gehören auch 607— 9 und 733, die erst durch den weiteren Verlauf der Hand- lung ihre charakteristische Beleuchtung erhalten.
c. Zu Buch II der Aeneis.
Gleich die Einleitung ist pathetischer als die ent- sprechende Stelle der Vorlage. infandum renovare dolorem geht über die Bedeutung der hom. Ausdrücke hinaus; ebenso conticuere omnes intentique ora tenebant. In suadentque cadentia sidera somnos liegt eine Stimm- ung, die Od. 11, 330, 31 fremd ist, zugleich erinnert der Ausdruck an sternhelle, im Freien verbrachte Nächte, vrgl. 12, 13 mit Od. 11, 380 und 10 und 11 mit dem schlichten Ausdruck Bittens bei Homer. Die Handlung ist reich an überraschenden Wendungen und Ereignissen, die kontrastierende Stimmungen hervorrufen müssen. Man vergegenwärtige sich die Freude der Trojaner über die vermeintliche Heimfahrt der Griechen, ihr Staunen über das hölzerne Pferd und die nun durch Meinungs- verschiedenheit gestörte einhellige Freude, das scharf accen- tuierte Auftreten des Laokoon, der ardens summa decurrit ab arce; den virtuos aber nicht so anmutig wie Odysseus lügenden Sinon, zur Bestätigung das Schicksal des Laokoon, die allgemeine freudige Beteiligung der Trojaner an der Verbringung des Pferdes auf die Burg, die Ruhe nach der Festesfreude in Troja und gleichzeitig das rührige Wirken der Feinde, die List des Coroebus und ihre Ent- deckung, den Widerstand des Anchises und seine Ueber- windung durch Wunder u. Zeichen, das Vermissen der Creusa und die wunderbare Lösung des Rätsels. An geeigneten Wendepunkten finden sich wehmütige Erwäg- ungen 2. B. 54—56, 197, 98, 240 ff., 363, 554 ff. Aus 467, 68 und 505 empfindet man die Nutzlosigkeit des Ringens der Trojaner.— Vrgl. 250 die stimmungsvolle Verknüpfung des Einbruches der Nacht mit den Vor- gängen, die in dem Gedankenzeugma involvens umbra magna terramque polumque Myrmidonunque dolos zum Ausdruck kommt. Man könnte meinen, die Gestaltung des Versschlusses solle den plötzlichen Ruck aus der Tageshelle zur Dämmerung andeuten, während dann 251 die Spondeen das gleichmässige Tieferwerden der Finster- nis malen. Auch 360 ist der Ausdruck nox atra cava circumvolat umbra der unheimlichen, düsteren Situation angepasst. Das Dunkel der Nacht lässt Vergil in diesem Buche mit der Mondhelle wechseln, je nachdem das eine oder das andere im Hinblick auf den geschilderten Vor- gang wirkungsvoller ist(vrgl. meine Bemerkung zu II 621 in der Gebhardischen Ausgabe, Paderborn 1888 und Heinze Epische Technik des Vergil S. 24, 25.) Mit- unter aber scheint der Dichter die Nacht völlig zu ver- gessen und seinen Helden die Vorgänge wie beim Tages- licht schauen zu lassen z. B. 405. Hinsichtlich des Be- leuchtungseffektes und der Beleuchtungsstimmung käme


