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zuſammenhang nicht völlig durchſchaue; wenn er aber wiſſe, daß alles„natürlich“ zugegangen ſei, liege für ihn keine Veranlaſſung vor, Gott darin zu ſuchen und zu finden. Gott wäre dann nur ein Hilfsbegriff, ein Lückenbüßer, mit dem man erſt rechnet, wo man allein nicht mehr fertig werden kann. Wiſſen und Glauben verhielten ſich dann wie Waſſer und Feuer. Wir müßten denjenigen ſelig preiſen, der am wenigſten in der Lage iſt, den Kauſalzuſammenhang zu durchſchauen; er allein wäre dann im ſtande, auch in dem natürlichen Geſchehen des täglichen Lebens ſeinen Gott zu finden und mit ihm zu verkehren. Damit wäre dann die Frömmigkeit an die Wiſſenſchaft ausgeliefert und empfienge von dieſer das Gnadenbrot, indem ſie nur von dem lebte, was die Wiſſenſchaft vor der Hand unerklärt läßt. Das iſt die Anſicht von David Friedrich Strauß und vielen andern, die ſich von der Wiſſenſchaft ſo imponieren laſſen, daß ſie meinen, das Wiſſen enge das Gebiet des Glaubens immer mehr ein, bis es allein herrſche. Nein, ſo iſt es nicht. Der Glaube hat ſein eigenes Gebiet und kümmert ſich um die Wiſſenſchaft gar nicht. Er hat ſich nicht etwa mit der Wiſſenſchaft in die Welterklärung zu teilen, ſo daß man genau ſcheiden könnte zwiſchen dem, was bloß Naturvorgang, mithin Domäne der Wiſſenſchaft iſt, und dem, was Gottes Werk iſt, alſo zum Glaubensgebiet gehört. Beiden gehört vielmehr die ganze Welt; Aufgabe der Wiſſenſchaft iſt die Welterklärung nach Urſachen, ſie nimmt den ätiologiſchen Standpunkt ein; der Glaube da— gegen hat es mit der Beurteilung der Welt nach Gottes Endzweck zu thun, ſein Standpunkt iſt der teleologiſche. Ein Konflikt zwiſchen beiden iſt daher undenkbar.
Wo wir alſo von einem Wirken Gottes in der Welt reden, iſt unſere Meinung nicht die, daß ſein Wirken neben dem geſetzmäßigen Lauf der Ereigniſſe ſich in die Welt gleichſam hinein ſtehle; denn die ganze Welt mit allen ihren Ordnungen und Geſetzen ſteht ja zu ſeiner Verfügung. Das iſt gerade das Wunder⸗ bare und Unbegreifliche in ſeinem Wirken, daß er nicht nötig hat den Naturzuſammenhang zu durchbrechen, um uns zu beſchirmen, daß er nicht neben, ſondern in der natürlichen Ordnung der Dinge ſeine Zwecke durchſetzt. Wo Gott uns zu ſeinen Mitarbeitern braucht, wirken wir daher nicht neben Gott, ſondern in ihm und durch ihn; und er wirket demgemäß auch den Glauben nicht ſo, daß wir uns da, wo Gott thätig iſt, paſſiv verhielten, ſondern ſo, daß die Selbſtbewegung des menſchlichen Geiſtes mit einge⸗ ſchloſſen iſt. Der Heilige Geiſt wirkt auf den Bahnen unſeres Denkens und Wollens; das Erleiden der göttlichen Wirkſamkeit ſchließt immer ein Thätigſein unmittelbar in ſich. Daher das Gefühl der Freiheit in der Abhängigkeit von Gott. Je kräftiger das Freiheitsbewußtſein, um ſo ſtärker empfinden wir die Abhängigkeit von Gott. Das iſt eben das tiefe, unergründliche Geheimnis, daß Gott den Glauben in der Seele ſo wirket, daß er nicht dem Menſchen von außen mechaniſch aufgenötigt und aufgedrungen wird, ſondern als des Menſchen ureigenſte und freieſte That er⸗ ſcheint, die mit den innerſten Bewegungen ſeines Willens verwachſen iſt.
Es iſt demnach eine ganz unnötige Beſorgnis, wenn man befürchtet, ohne die Annahme einer for⸗ malen Freiheit werde der Menſch von Gott wie ein Naturweſen behandelt. Auch Martenſen muß zu— geben:„Die Gnade beſiegt wohl den Widerſtand des Menſchen, aber nur in einer Weiſe, die mit der Natur der Freiheit übereinſtimmt, ſo daß ſich der Wille mit moraliſcher(nicht phyſiſcher) Notwendigkeit der Macht der Liebe hingiebt, gedemütigt Gott die Ehre giebt.“
Alſo es giebt doch eine Notwendigkeit, die mit der Freiheit identiſch iſt, eine Notwendigkeit, wo⸗ mit Gott den Menſchen überwindet, überwältigt, ihm Vertrauen abnötigt, ohne daß er ihn darum wie einen Klotz oder Stein behandelte. Wir dringen mit Recht da, wo Gott mit uns handelt, auf ſittliche Vermittelung, die allen mechaniſchen Zwang ausſchließt. Darum haben auch die Reformatoren das Wort wieder in den Mittelpunkt des Heilsprozeſſes geſtellt. Durch das Wort überwältigt uns Gott; nur wo das Wort einen Menſchen bezwingt, da iſt es ein Unterliegen und ein Zwang, der des


