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wird aber nur dadurch beſeitigt, daß entweder das Hindernis hinweggeräumt oder, wo dies nicht möglich, der betreffende Wille zum Schweigen gebracht wird. Iſt der Wille, der zur That werden möchte, zum Schweigen gebracht, ſo iſt damit die Unfreiheit aufgehoben und die Freiheit wieder hergeſtellt.
Denn eine Unfreiheit, die nicht als ſolche empfunden wird, exiſtiert für den Menſchen ſo wenig wie ein Schmerz, den er nicht fühlt. Eine Schranke wird aber empfunden nur von dem, der darüber hinaus will, für ihn allein exiſtiert ſie; was auch Epiktet ausſpricht in dem Satz: od eri« u* eoydεri, dadd ινix, womit er ſagen will, daß das Nicht⸗haben nicht an und für ſich, ſondern nur unter der Bedingung des Haben⸗wollens zur ſchmerzlichen Entbehrung wird und als Schranke gefühlt wird. Wenn ich nicht reiſen will, ſo empfinde ich es auch nicht als Beeinträchtigung meiner Freiheit, daß ich nicht reiſen kann. Da ja alles Leid— auch das ſchmerzliche Gefühl der Unfreiheit— nur entſteht aus dem Mißverhältnis zwiſchen dem, was wir erwarten, und dem, was uns wird, alſo zwiſchen dem ſubjektiven und dem objektiven Faktor, dieſer aber häufig gar nicht in unſerer Hand liegt, ſo be⸗ ſteht alsdann die einzige Möglichkeit dem Leid zu entgehen darin, daß wir unſer ſubjektives Wollen, Wünſchen, Hoffen, Erwarten nach dem objektiven Faktor richten, auf dieſe Weiſe die beiden Faktoren in Einklang ſetzen und das Gefühl der Freiheit wieder herſtellen.
Nur auf dieſem Wege wird es uns gelingen, die zahlloſen Naturbeſtimmtheiten, die wir an uns tragen, und die Schranken, denen unſer Können unterworfen iſt, nicht als Beeinträchtigung unſerer Freiheit zu empfinden. Denn daß ein Menſch gerade als dieſes Individuum, zu dieſer Zeit, an dieſem Orte, unter dieſem Volke, mit dieſem Temperament, mit dieſen beſtimmten Anlagen und Kräften in das Leben hineingeboren iſt, daß ihm hier Erfreuliches begegnet, dort Leidvolles widerfahren iſt, das iſt alles ein Gegebenes, Unabänderliches, ohne ſeine Zuſtimmung Geſetztes und darum ſcheinbar eine Schranke ſeiner Freiheit. In Wahrheit ſind dies alles aber Schranken nur für den, welcher unzufrieden iſt mit ſeinem Los, der alſo über dieſe Schranken hinaus will. Er wird dann allerdings gewahr, daß die Schranken für ihn unüberſteiglich ſind, er rennt vergeblich gegen die Wände ſeines Kerkers und muß ſich ſagen: ich bin nichts weniger als frei, ich bin ein Knecht aller der zufälligen Beſtimmtheiten, in die ich nie eingewilligt habe. Erſt wenn er es aufgiebt, das Unmögliche zu wollen, wenn er ſich in das Unvermeidliche mit Würde fügt, nicht mit dumpfem Groll ſich unter die Anordnnngen eines blinden Fatums, einer unver⸗ ſtändigen Naturnotwendigkeit beugt, ſondern ſie wirklich von Herzen bejaht, ſie in ſeinen Willen aufnimmt, erſt dann hören ſie auf Schranken für ihn zu ſein. Dann will er ſie, dann ſind ſie ihm wie ein Gewand, das genau für ihn zugeſchnitten iſt und ihn umgiebt, ohne ihn zu beengen.
Das kann aber nur derjenige, welcher feſt glaubt, daß die Welt mit allem, was darin geſchieht, auf einen überirdiſchen Zweck angelegt iſt, auf das überweltliche Reich Gottes, und der an dieſes höchſte und letzte Ziel ſeine Kraft ſetzt. Er allein hat ein Ziel, deſſen Erreichung nicht an irgend welche irdiſchen, natürlichen Bedingungen geknüpft iſt, die ja nie in unſerer Hand liegen; er allein verfolgt eine Abſicht, die ihm von keiner irdiſchen Macht durchkreuzt, einen Zweck, der ihm nicht vereitelt werden kann. In allem, was ihm widerfährt, in allem, was er ohne ſein Zuthun leidet, vermag er ein Mittel zu ſehen, durch welches Gottes Reich gebaut und der Zweck ſeines Daſeins, ſeine Seligkeit, erreicht werden kann. Es iſt ihm Baumaterial, das ſich einfügen läßt in den Bau, dem ſein Leben gewidmet iſt, und darum nimmt er es mit demütigem Sinne dankbar aus Gottes Hand hin und verwertet es für den Bau des Reiches Gottes in dem ſichern Bewußtſein, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Beſten dienen. So wie Chriſtus ſelbſt im Leiden überwunden, im Unterliegen geſiegt und triumphiert hat, wie er jedes Widerfahrnis umgebogen hat in eine freie That, nicht gefangen genommen wurde, ſondern ſich gefangen nehmen ließ, nicht das Leben gegen ſeinen Willen verlor, ſondern es als freiwilliges Opfer hingab, ſo


