Aufsatz 
Zwei Festreden
Entstehung
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dass es den Verwundeten hier noch schlimmer erging. Da stellten sich denn die mannigfachsten Wundkrankheiten ein, wie Wundstarrkrampf. Wundrose, Hospitalbrand, die gefürchtete Pyämie und viele andere, welche die Leiden der Verwundeten vermehrten und die Sterblichkeit erhöhten. So sind denn von den 116821 in den Lazaretten behandelten Verwundeten(Mannschaften, Offiziere u. s. w.) 11023 gestorben.

An 3036 Mann hatten Amputationen vorgenommen werden müssen, von denen 1405 einen tödlichen Ausgang nahmen, und ausserdem mussten noch 4308 grössere Operationen vorgenommen werden, von denen 2355 zur Ieilung führten, während 2043 den Tod der Operierten nicht hindern konnten.

s sprechen diese Zahlen eine beredte Sprache, indem sie uns zeigen, welche Summe von Leiden unseren braven Truppen auferlegt war. Aber auch hier war Mut und Kampflust nicht geschwächt, die begeisterte VWaterlandsliebe nicht ertötet worden. Getreu bis in den Tod waren die, welche sich nicht wieder erheben sollten von dem Lager, auf das sie die feindliche Kugel geworfen hatte; und die Genesenden konnten es kaum erwarten, wieder einzutreten in die Reihen der Kämpfenden, und recht oft traten sie schon ein, ehe sie vollkommen wiederher-

gestellt waren.

Getreu bis in den Tod! Das ist der Gedanke, der ausgesprochen oder unausgesprochen alle Kämpfer beseelte und über alle Leiden hinweghalf. Und das gilt natürlich nicht nur für die eigentlichen Kämpfer, sondern für alle, denen eine Aufgabe in den Feldzügen zugefallen war, und das vor allen auch für die Arzte und für alle, die ihnen zur Seite standen. Die aufopfernde und aufreibende Thätigkeit der Arzte in erster Linie, alsdann der Krankenträger, der Wärter und Heilgehilfen, die zu einem grossen Teil auch als Freiwillige in diesen Dienst für die Armee eingetreten waren, findet kaum immer die verdiente Würdigung, während gesagt werden muss, dass auch auf diesem Gebiete Grossartiges geleistet worden ist in treuester Pflichterfüllung.

Sehet, ihr lieben Schüler, also war die Gesinnung in der deutschen Armee. Und die gleiche Vaterlandsliebe beseelte auch die in der Heimat Zurückgebliebenen. Nicht nur gilt dieses für die Truppen der immobilen Armee, für welche besonders der Wachtdienst bei den Kriegs- gefangenen, aber auch der eigentliche Garnison-Dienst wegen der verhältnismässig geringen Zahl dieser immobilen Truppen ungewöhnliche Anstrengungen veranlasste: nein, es gilt dieses ebenso für die privaten Kreise, die diese ihre Gesinnung in der mannigfaltigsten Weise bethätigten.

So strebt denn auch ihr dem Worte nachGetreu bis in den Tod! Lasset in euch die Vaterlandsliebe lebendig sein und bleiben! Mégen euch die Gebote der Pflichttreue immer zur Richtschnur dienen und ihr stets treueste Pflichterfüllung üben! Wenn ihr auch, was Gott geben möge, nicht wieder in den Schrecken eines Krieges dazu die Gelegenheit haben werdet, es werden sich auch andere Gelegenheiten zur Genüge bieten. Da gehet nicht gleichgültig vorüber! Da scheut nicht die Mühen und Pflichten, welche die Vaterlandsliebe euch auferlegt! Da scheut nicht die Arbeit für das Wohl des Vaterlandes! Da stehet immer euren Mann und seid getreu bis in den Tod! Aber auch jetzt schon könnt ihr euch üben in getreuer Pflichterfüllung. Wenn ihr das, was das Leben jetzt von euch fordert, was Haus und Schule von euch verlangen, was eben eure Pflicht ist, auch mit echter Treue allezeit zu thun bestrebt seid. so schult ihr euch treue