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sehr grosse Zahl, so dass Typhus als die verhängnisvollste Kriegsseuche mit Recht bezeichnet worden ist. Ausser durch diese drei Haupt-Infektionskrankheiten wurde namentlich eine be- trächtlichere Anzahl von Mannschaften durch Erkrankungen der Atmungs- und der Ernährungs- organe und durch rheumatische Erkrankungen heimgesucht; so an Mannschaften und Unteroffizieren durch rheumatische Erkrankungen 46008, durch Krankheiten der Atmungswerkzeuge 73356 und durch Krankheiten der Ernährungsorgane(abgesehen von Ruhr) 67804 Mann. Im ganzen sind von Offizieren, Rrzten, Beamten und Mannschaften der mobilen Armee erkrankt und in Lazaretten behandelt worden über 480 000 Mann, von denen über 14900 gestorben sind.
So wurde fortwährend eine grosse Zahl von Kämpfern den Truppenbeständen auf Zeit oder, soweit sie den Krankheiten erlagen, für immer entzogen. Aber sobald es irgend anging, kehrten die Genesenen zu ihren Abteilungen zurück, um wieder in die Reihen derselben ein- zutreten und freudig mitzukämpfen für die Sache des geliebten Vaterlandes.
Es erübrigt mir nun noch, derer zu gedenken, die durch Verwundungen auf das Kranken-
lager geworfen wurden.
Bei den grossen Schlachten waren die Verwundungen so zahlreich, dass es nicht mõöxglich war, allen alsbald ärztliche Hilfe zu schaffen. Viele lagen lange, lange auf dem Schlachtfelde, bis sie überhaupt aufgefunden wurden, ganz abgesehen von denen, die an verlassenen Stellen, im Waldesdickicht u. s. w. lagen, wohin überhaupt keine Krankenträger kamen, die Armen aufzulesen. Zu schildern, welchen Leiden solch unglückliche Werlassene ausgesetzt waren, dessen bedarf es nicht. Aber auch bei denen, welche vom Schlachtfelde aufgehoben waren, fehlte es oft für die Aufnahme zu einer erstmaligen Behandlung, beziehungsweise zur Pflege an nur annäherungs- weise hinreichenden und geeigneten Räumlichkeiten. In Trümmer geschossene Häuser, Scheunen, Ställe, alles musste benutzt werden, und viele, viele blieben noch unter freiem Himmel, bis es gelang, immer neue Abteilungen der Verwundeten rückwärts nach mehr oder weniger entfernten Lazaretten, ja bis in die Heimat zu senden. Welchen Leiden da oft die Zurückbeförderten, vielfach ja auch schwerverwundeten, ausgesetzt waren, die noch dazu häufig in gewöhnlichen Leiterwagen befördert wurden, davon können Tausende Zeugnis ablegen. Und trotz dieser Rückwärtsbeförderung verblieben noch viele Verwundete lange Zeit in durchaus unzureichenden, vielfach ungesunden Räumen, auf feuchtem Stroh oder unter freiem Himmel. Auch bei kleineren Gefechten war nicht immer Gelegenheit geeignete Räaume zur Einrichtung von Lazaretten zu finden. Oft nötigten Kämpfe, die in der Nähe der Ambulanzen— das sind die auf Zeit während des Gefechts errichteten Verbandstellen— oder in der Nähe der Lazarette stattfanden, die Verwundeten, die zum Teil kaum transportfähig waren, nach anderen Stellen zu befördern. Ebenso ist eine solche Nötigung mehrfach eingetreten infolge der Feindseligkeit der Bevölkerung bei mangelndem Schutz, wo Kranke und Verwundete sonst den Xusschreitungen aufgeregter Volksmassen oder un- disciplinierter Freischaren schutzlos preisgegeben gewesen wären. Meist aber blieben die Lazarette noch in bedenklichster Weise überfüllt. Das kleine Forbach musste 600 Verwundete beherbergen: in Saarbrücken lagen noch, nachdem alle Leichtverwundeten nach Main⸗ übergeführt waren, 3000 Schwerverwundete! Solche Umstände konnten einem günstigen Verlauf und rascher Heilung nur hinderlich sein und nur zu einer Vermehrung der Leiden der armen Tapferen beitragen. Dazu waren noch manche Lazarette, wie z. B. in Versailles, durch Ansteckungsstoffe infiziert, so
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