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geblieben waren. Zu alle dem hatten auch mehrere Tausend Schlachttiere wegen der aus- gebrochenen Rinderpest getötet und vergraben werden müssen.
Ist es da zu verwundern, dass sich die Lazarette mit Kranken füllten?
Ja, zu all diesen schädigenden Einflüssen gesellte sich noch der Umstand, dass die. Ver- pflegung sehr lange Zeit eine durchaus ungenügende war. In der Nähe war natürlich nichts mehr zu beschaffen, und die Kommunikations-Mittel waren so unzulänglich und schlecht, dass die für die Armee bestimmten Nahrungsmittel viel, viel zu spät anlangten, häufig, wie erwähnt, noch dazu in verdorbenem Zustande. Und wie manches prächtige Stück Vieh wurde durch die Rinderpest seiner Bestimmung entzogen! So mussten die Mannschaften auch noch oft genug bitteren Hunger leiden, oder die Nahrungsmittel, die sie erhielten, waren recht, recht schlechte. Manch einer suchte seinen unger durch schimmeliges Brot zu stillen.
Da kamen denn die Krankheiten. Ansteckungsgelegenheit war auch zur Genüge vor- handen. Bei der französischen Bevölkerung wüteten schon vor dem Kriege die Pocken und brachen dann an den verschiedensten Stellen Typhusepidemieen aus.
Und wie bei der Belagerungsarmee vor Metz, so gab es auch bei den anderen Truppen. wenn auch meist in geringerem Grade, der Ursachen genug. welche Erkrankungen ver- anlassten oder wenigstens unterstützten, beförderten. Die das Nervenleben lähmenden Eindrücke eines Harrens und Wartens ohne Ende, wie solche namentlich bei den Belagerungstruppen, besonders um Paris und eben um Metz, sich geltend machen mussten, körperliche Strapazen und Ent- behrungen, nicht enden wollende Märsche, Einflüsse der Witterung, wie besonders Kälte und Nässe, ungenügende Bekleidung, da vielen Truppen bei den grossen Entfernungen kein Ersatz für die aufgebrauchten, zerfetzten Kleidungsstücke, besonders die Stiefel geschafft werden konnte, Unregelmässigkeit und Unzulänglichkeit der Nahrung, alles wirkte zusammen, um die Körper der Soldaten zu schwächen und wenigstens den Krankheiten, den Ansteckungen zugänglich zu machen.
Von der deutschen mobilen Armee, welcher während des ganzen Feldzuges, einschliesslich der Offiziere, Arzte und Beamten, 1 146355 Mann angehört hatten, erkrankten an den Pocken freilich, dank dem hier herrschenden Impfzwang(die eingezogenen älteren Mannschaften hatten natürlich nicht noch wiedergeimpft,„revacciniert“ werden können), nur 4901 Mann, von denen noch nicht 6% starben, nämlich nur 207 Mann. Bei der 348057 Mann starken immobilen deutschen Armee, welche in Deutschland verblieben war, erkrankten 3472, von denen 4 6%, nämlich 162 NMann, starben. Von Interesse ist es, hier die entsprechenden Zahlen zu vergleichen, wie sie sich bei den kriegsgefangenen Franzosen. für die der Impfzwang gefehlt hatte, ergeben haben. Von diesen in Deutschland weilenden kriegsgefangenen Franzosen, deren Zahl sich auf 372018 Mann belief, erkrankten 14178 Mann an den Pocken, und von diesen starben fast 14%, nämlich 1063 NMann. Das sind Zahlenverhältnisse, die uns auch recht deutlich den Wert des Impfzwanges erkennen lassen.
Sehr viel mehr deutsche Mannschaften erkrankten aber an der Ruhr, nämlich 38 975 Mann bei der deutschen Feldarmee, von denen 2405 Mann, das sind 6,2% starben. Allein bei den Metzer Belagerungstruppen erkrankten 17507 Mann; das war also fast die Hälfte aller Ruhrerkrankungen.
Am schlimmsten wüteten typhöse Krankheiten. An Typhus und gastrischem Fieber sind von der deutschen Feldarmee 74015 Mann erkrankt, und davon starben 8871 Mann, eine


