Da liegen wir, dem Wetter preisgegeben; Verschimmelt ist, verfault das bisschen Stroh. Und ward uns Nahrung eben knapp zum Leben,
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Ach, einer nach dem andern fällt zur Beute Den Seuchen, schlimmer wütend als das Schwert. Und seufzend klagten gestern wir und heute:
Dann sind wir allesamt noch herzlich froh. Wie lange unser Elend wohl noch währt?
Allein, was hilft's? Wir müssen standhaft tragen, Bis dass Erlösung endlich uns beschert, Und hier auch tapfer kämpfen, ohne Zagen. Das Vaterland ist wohl der Opfer wert!
Wie mancher den unsäglichen Beschwerden, Die uns gebracht hat schier ein jeder Tag— Und immer will damit kein Ende werden— Wie mancher von den Unsern schon erlag!
Doch horch! Von Nord her hör' ich Schüsse
knallen, Und Trommelwirbel hallet d'rein von fern. Hurra! Auch hier Alarmsignale schallen. Auf die Franzosen geht's! Da komm' ich gern!
Der Regen höort nicht auf herabzugiessen, Und rauh durchtost die Luft der Stürme Graus; Die Nahrung, die wir täglich hier geniessen, V Wir rührten wahrlich sie nicht an zu Haus. V
Dass ein solches Lagern gesundheitsschädlich wirken musste, liegt auf der Hand. Aber das war noch nicht das Schlimmste. Diesem feuchten lehmigen Boden mischten sich noch Massen fäulnisfähiger organischer Stoffe bei, die die Bedrohung der Gesundheit noch vermehrten. Von vielen Tausend Menschen sammelten sich die Exkremente an, die ja nicht fortgeschafft werden konnten und zum Teil auch von schon Erkrankten herrührten, also besonders schädlich wirken mussten, ebenso die Exkremente der Pferde und des Schlachtviehs. So verblieb auch in den Dörfern Dünger und Jauche, sich immer mehr ansammelnd. Dazu kamen die Abgänge beim Viehschlachten, die in solchen Massen sich anhäuften, dass um Mitte März 1871 die mit der Desinfektion der Schlachtfelder betraute Kommission z. B. bei Gravelotte ein ¼ Morgen grosses Stück Land mit solchen Resten 60 cm hoch bedeckt fand. verdorbener Nahrungsmittel, die infolge der Stockungen im Verkehr zu lange unterwegs gewesen waren oder durch Regen, Lagern bei anderen schon verdorbenen Massen u. s. w. gelitten hatten. Bei Courcelles wurde z. B. ein zusammenhängendes Lager von verdorbenem Speck, Brot, Korn u. dergl. von 90 m Länge, 15 m Breite und ungefähr 60 cm Hôhe gefunden, während kleinere Mengen verstreut umherlagen, von den Füssen der des Weges kommenden Soldaten in den morastigen Boden und die Pfützen getreten wurden und so den Schlamm und dessen schädliche Eigenschaften noch vermehrten.
Neben allen diesen Umständen, welche die Gesundheit der Soldaten gefährdeten, muss noch einer Thatsache besonders Erwähnung geschehen. Diese grosse Armee von rund 200000 Mann war durch die Kriegsereignisse gezwungen worden, Monate lang auf einem riesigen Leichenfelde zu lagern. Die Lagerplätze waren ja die Gefilde, wo die grossen Schlachten geschlagen, wo 10291 Mann gefallen waren! Allmählich starben von den Verwundeten in den Lazaretten hier noch weitere 2434 Mann, so dass in diesem Gelände 12725 Mann frisch begraben lagen. Oft befanden sich in Massengräbern viele beisammen, und vielfach waren die Toten nur ganz oberflächlich eingescharrt und gingen in dem nassen, lehmigen Boden nicht in Verwesung, sondern in Fäulnis über. Und nun muss man der Menge gefallener Pferde gedenken, deren man allein auf deutscher Seite in den Schlachten von Mars la Tour und von Gravelotte über 2000 gezählt hat und welche erst recht nur oberflächlich eingescharrt, zum Teil in Gräben liegen
Dazu kamen ferner Unmassen


