Aufsatz 
Zwei Festreden
Entstehung
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Ebensowenig haben die Beschwerden, welche die verschiedenen Belagerungstruppen zu ertragen hatten, es vermocht, deren Spannkraft zu lähmen. Besonders gross waren bei den Truppen um Metz diese Beschwerden, so gross, dass man sich nur schwer eine Vorstellung davon machen kann.

Bei den grossen Schlachten waren die zahlreichen Dörfer um Metz sämtlich mehr oder weniger zerstört worden. Von den meisten war wohl kein Haus unversehrt geblieben, und manche lagen vollständig in Trümmern. Die wenigen noch einigermassen benutzbaren Gebäulichkeiten, waren es nun Wohnhäuser. Scheunen oder Ställe, fanden Verwendung als Lazarette zur Auf- nahme der riesengrossen Zahl von Verwundeten und späâter von immerfort sich mehrenden Kranken. Und selbst für diese Zwecke reichten diese Räumlichkeiten noch nicht aus. Ein einziges Lazarett in St. Privat musste 320 Verwundete alsbald nach rückwärts schicken, da für diese eine Unterkunft unmöglich mehr beschafft werden konnte. So blieb für die bei weitem grösste Zahl der Truppen keine Gelegenheit Quartiere zu beziehen, und nur ein kleiner Teil der entfernter lagernden Ab- teilungen, besonders auf dem rechten Moselufer, konnte in freilich meist dürftigen, unzureichenden, unreinen und ungesunden Räumen unterkommen. Alle andern mussten unter freiem Himmel lagern, wochenlang, monatelang. Im Anfang war dieses Lagern noch weniger schlimm. Aber bald stellte sich sehr oft Regenwetter ein, das meist sehr heftig war und nachher wochenlang anhielt. Schon im August, der zum Teil sehr sonnig und heiss gewesen war, kamen so starke Regengüsse, dass die Regenmenge des Monats die Höhe von 88,9mm erreichte, gegen den Durchschnitt von 69,2 mm. Im September jedoch fielen 1190, 1mm gegen die durchschnittliche Menge von 60,6 mm und auch noch im Oktober 88,5 gegen 55mm sonstiger Jahre. Im Oktober hatte es vom 8. ab an 20 Tagen, also fast alle Tage stark geregnet. Da nun der Boden um Metz von lehmiger Beschaffenheit ist, so dass er das Wasser nicht hindurchsickern liess, so glich derselbe in den Lagern gar bald einem Moraste, ein Zustand, der auch nach Eintritt besserer Witterung noch lange so verblieb. So beschaffen war also die Lagerstätte der unter freiem Himmel schutzlos Wind und Wetter preisgegebenen wackeren Soldaten um Metz. Aus den zerschossenen Häusern suchte man daher Thüren und anderes Material, sich Hütten daraus zu bauen. Aber das war wenig genug, und allmählich wurde alles Holzwerk zur Feuerung benutzt. Man wollte doch auch kochen. Dann bauten sich die Soldaten Hütten aus Baumzweigen und Reisig und verschmierten diese Reisigwände mit Lehm. Aber da kamen die Regengüsse und spülten den Lehm herab, so dass der Wind wieder freies Spiel hatte und ungehindert durch die luftigen Wände blies. Es half eben alles nichts; der morastige Boden war und blieb ihr Lager und der Himmel ihr Zelt. Das sollen euch die nachfolgenden Verse schildern, welche zugleich auch darauf hinweisen, wie Pflichtgefühl und Kampfesmut die Mannschaft unverändert beseelte, trotz aller Beschwerden und Leiden.

Vor Metz.*)

Ein böses Lagern hier, in lehm'gen Pfützen, Wohl hatten wir die Wand mit Lehm D'rein klatschend fällt der Regentropfen verstrichen. Schwarm! V Doch fleissig hat der Regen d'ran gespült, Was kann dagegen uns das Hüttchen nützen, Dass bald die letzte Spur davon gewichen Aus Zweigen nur erbaut?! Dass Gott erbarm'! Und frei der Wind das Hüttchen nun durchwühlt,

*) Erinnerungsblätter aus dem Kriege von 1870/71, von F. F. H.