Aufsatz 
Zwei Festreden
Entstehung
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Aber ein Befehl zum alsbaldigen Vorrücken hinderte sie daran. Ohne einen kühlenden Trunk (es war heisses Augustwetter) brach die Brigade wieder auf, um gegen den Feind in den heftigsten Kampf einzutreten. Und so erging es auch der hessendarmstädtischen Division, die seit frühestem Morgen auf dem Marsch war und spät abends, als es schon zu dunkeln begann, in den Kampf mit eingriff. Diese Beispiele erzählen jedoch nicht von Ungewöhnlichem. Waren doch überhaupt die Leistungen im Marschieren ein Hauptfaktor, der die grossen Siege der Deutschen herbeiführen half. Und hierbei handelte es sich nicht allein um weite Mlärsche, sondern auch oft genug um ausserordentlich beschwerliche, bei denen gegen die mannigfaltigsten Schwierigkeiten und gegen die schlimmsten Unbilden der Witterung anzukämpfen war. So heisst es über die eben erwähnten Märsche in der Gegend von Metz:Es war ein heisser und beschwerlicher Marsch durch das bergige Uferland der Mosel. Hatte man hier den Kamm eines Berges glücklich erstiegen, so sah man in der Tiefe schon wieder eine Schlucht und drüben einen anderen Berghang, und so ging es weiter und weiter. So wird auch über die Umstände bei dem durch das Gedicht von der Fahne der Einundsechziger euch bekannten Gefecht von Dijon erzählt:Schon vorher hatten die Truppen bei schlechtem Wetter auf schwierigen Wegen starke Märsche ausgeführt und nun weder vor noch nach dem Gefecht abkochen können. Und von dem Marsch nach Le Mans lesen wir:Der Frost hatte an dem Tage(nämlich am 4. Januar 1871) aufgehört; es war Tauwetter eingetreten; es regnete vom Morgen bis zum Abend. So eine Winternässe, halb Schnee, halb Regen, macht mürbe. Und dann zur Erholung nur ein Strohlager in zugiger Scheune. Und von demselben Marsche gegen Le Mans lesen wir wieder:Bei dem unausgesetzten Vorgehen war es schwer, Ersatz an Mannschaft und Material nachzuschaffen. In diesen Tagen(es war eine Woche später, am 12.), in denen der Winter in seiner ganzen Strenge auftrat, Schneetreiben und Glatteis die Bewegung hemmten, marschierte ein Teil der Infanterie in leinenen Beinkleidern und zerrissenem Schuhwerk. Die Offiziere waren nicht besser daran. Schon seit lange entbehrten sie ihr Gepäck, da das Fuhrwerk auf den schlechten Wegen nicht hatte folgen können. Aber der gute Wille, die Ausdauer und die Mannszucht der Truppen überwanden alle Schwierigkeiten, die in ununterbrochener Folge sich entgegenstellten. Später heisst es noch:Der 12. Januar brachte ganz abscheuliches Wetter, Schnee und Glatteis. Zwei Schritte vorwärts, ein Schritt zurück, und dabei das furchtbare Drängen. Keuchend und dampfend schlürften wir durch Schnee und Eis dahin. Endlich gegen Mittag ein kurzer Halt; mitten im Schnee zwar, aber doch Ruhe; man durfte Atem schöpfen. Und weiterhin lesen wir von demselben Tage noch:Es war wieder einmal Abend geworden, und wir marschierten immer noch. Auf schlechten Fahrwegen waren wir während des ganzen Tages vorgegangen. Eben durchschritten wir einen Hohlweg, da sprengten Dragoner an.Schnell vorwärts! Da vorn in dem Dorfe sind sie! Die Infanterie kommt sofort ins Gefecht! Und so hatte die Abteilung des Erzählers noch bei Courcebœufs ein sehr schweres Nacht-Gefecht gegen gewaltige UÜbermacht zu bestehen. welcher sie lange aufs tapferste widerstand. Dank der Dunkelheit, die den Franzosen auch die geringe Zahl der Deutschen verborgen hatte, konnten sie nachher, unverfolgt von den mehrfach zurückgeworfenen Franzosen, abziehen, mussten aber noch stundenlang in die Nacht hinein marschieren.

So liessen sich noch die zahlreichsten Beispiele aus jenen Kämpfen in der Loiregegend und aus den Kämpfen im Südosten und Nordosten erzäahlen. Uberall die schwierigen Märsche und nach denselben die Bewährung einer ungebrochenen Kraft und ungeschwächten Kampflust bei den von treuestem Pflichtgefühl beseelten Truppen.