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aus diesen Versen, dass in der Seele des Prinzen die UÜberzeugung feste Wurzel gefasst hatte: Dort jene deutschen Lande, die dereinst durch Verrat und Gewaltthat von den Franzosen geraubt wurden, sie müssen dem deutschen Vaterlande wieder gewonnen, das Unrecht muss gesühnt werden. In seiner Seele lebte auch die feste Zuversicht, dass es so kommen werde. Kaiser Wilhelm sollte aber nicht allein die Freude haben, diese seine zuversichtliche Iloffnung in Erfüllung gehen zu sehen, sondern ihm selbst sollte es beschieden sein, die Hoffnung zur Wahrheit zu machen; ihm selbst ist der Turm des Strassburger Münsters der Wegweiser gewesen in das stolze Frankenreich; er selbst ist der Kaiser gewesen, der den Rhein auch in seinem Laufe zwischen Baden und Elsass wieder deutsch gemacht und damit die Schmach getilgt hat, die von alten Zeiten her auf Deutschland ruhte. Als Knabe und jJüngling hat er die Zeit der höchsten Erniedrigung Deutschlands und die Zeit der Erhebung mit erlebt, und da hat sich ihm der gerechte Zorn gegen die Unterdrücker, gegen die Erbfeinde Deutschlands in die Seele gepflanzt, und damit die UÜberzeugung, dass rastlos„das Schwert der Deutschen gehoben sein“, dass an-— dauernd Deutschland aufs beste gerüstet stehen müsse, auf dass es gesichert sei gegen die Wiederkehr solcher schmachvollen Niederlagen, wie sie der Anfang dieses Jahrhunderts uns gebracht. und stark genug, um die Gelegenheit die verlorenen Lande wiederzugewinnen mit Erfolg benutzen zu können. Ihm war es eine heilige Ehrenpflicht, auf der Wacht zu stehen für das Vaterland, und er zog auch selbst mit hinaus in den Kampf, trotz seines hohen Alters alle Beschwerlichkeiten und Fährlichkeiten des Krieges auf sich nehmend. Allerdings konnte er damals, als er das Gedicht niederschrieb, nicht voraussehen, dass er dereinst den Thron seiner Väter besteigen, und nicht ahnen, dass ihm dereinst die deutsche Kaiserkrone beschieden sein würde und von ihm der Grundstein gelegt werden sollte zu einer neuen Kaiserpfalz im deutschen Strassburg, wie es der prophetische Dichtergeist unseres Rückert vorausgesagt.
Dennoch ist es., wie wir sehen, nicht blosse Fügung. Ihn trieb die Vaterlandsliebe und das Gefühl der Pflicht für die Ehre und Grösse Preussens und Deutschlands einzustehen. Er stand gerüstet auf der Wacht und hat's vollbracht.
Uns aber, ihr Schüler, möge der edle Kaiser wie in seiner Gewissenhaftigkeit und Pflicht- treue, so auch in dieser seiner begeisterten Liebe für das Vaterland als leuchtendes Beispiel allzeit vor Augen stehen, auf dass auch in uns diese aufopferungsfähige, hingebende VWaterlands- liebe lebendig sei und stärker und stärker werde und mit unauslöschlichen Zügen das eine Wort eingebrannt sei in unsere Seele: Deutschland, Deutschland über alles!


