Und ist er euer jetzt, der deutsche Rhein, So fliesse friedlich euer deutscher Rhein! Spült eurer Sklavenkleider Fetzen So mögen eure goth'schen Dome Nur drein, doch lasst das Prahlen sein! Bescheiden nur sich spiegeln drein! Wie viel der Raben, tot zu hetzen Doch hütet euch, dass aus dem Strome Den kranken Aar, denn war't ihr damals im Die blut'gen Toten nicht erwecke euer Schrein! Verein?
Welcher UÜbermut, welche höhnische Verachtung gegen das deutsche Volk klingt nicht aus diesen Versen? Mit welch schamloser Zunge wagt der Dichter noch sich gross zu thun mit all den Gewaltthätigkeiten seiner Landsleute, so dass er sogar ohne jegliche Scheu auf die Raubkriege eines Ludwig XIV. hinweist, welche jene unsäglichen Greuel im Gefolge hatten! Der Dichter verkennt ganz. auf wessen Seite Recht und Unrecht ist. Er vergisst, dass die Länder- und Ruhmgier der Franzosen, dass ihr Geschrei nach der Rheingrenze Niklas Becker dazu veranlasst hat, gerade zur Abwehr sein Rheinlied zu verfassen. Er vergisst aber auch. dass seit der Zeit der Befreiungskriege das deutsche Volk sich gefunden hatte und die Wieder- holung der Räubereien seinen Landsleuten weniger leicht als ehedem geworden wäre. Beobachten wir aber eine solche Anschauungsweise und eine solche Gesinnung bei einem der Edelsten der französischen Nation, so können wir nicht lange darüber im Zweifel sein, wessen wir uns auch heute noch zu gewärtigen gehabt hätten, wenn den Franzosen der Sieg geworden wäre. Danken wir Gott, dass es anders gekommen!
Das Beckersche Lied aber war durch Deutschland fort und fort erklungen, und ich entsinne mich noch sehr wohl, wie wir in meinen Knabenjahren das Lied voll Begeisterung gehört und mitgesungen haben. Diese Bewegung wogte aber nicht nur in der Tiefe, sondern sie machte sich bemerkbar bis zu den höchsten Höhen. Während der Sänger, zum Zeichen, wie sehr er allen aus dem Herzen gesprochen, wie er sich durch sein Lied um das Vaterland verdient gemacht habe, überall von den Bürgern gefeiert wurde durch Ehrengeschenke. Festmahle, Fackel- züge u. s. w., widmete ihm auch der König von Bayern einen kunstvoll gearbeiteten silbernen Becher und gab ihm der König von Preussen ein Ehrengeschenk von 1000 Thalern und eine ehrende, einträgliche Stelle.
Aus diesen höchsten Kreisen ist damals aber auch dem Alfred NMusset gewissermassen eine Antwort geworden, und zwar durch ein Gedicht, welches gerade heute im höchsten Grade unser Interesse und unsere freudige Bewunderung erregen muss. Es ist das auch ein einfaches. aber von zorniger Begeisterung zeugendes Gedicht, und sein Verfasser ist kein Geringerer als Kaiser Wilhelm selbst, der es 1840 als Prinz von Preussen niedergeschrieben hat. Eine andere Antwort hat aber dem Dichter Alfred de Musset und den Franzosen überhaupt unser deutsches Volk in den Jahren 1870/71 unter der Führung König Wilhelms erteilt. Auf ihr bacchantisches „à Berlin, à Berlin“ sind sie belehrt worden, dass auch das deutsche Volk allein ihnen


