Aufsatz 
1) Beschreibung des Schulgebäudes. 2) Bericht über die Einweihungsfeier
Entstehung
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Ursprünglichkeit vermitteln zu dürfen, wie sie das griechische Volk bei seiner einzigartigen Stellung in der Geschichte der Völker als Vorbilder für alle Zeiten geschaffen hat, wir freuen uns, an den Werken der Alten zu verständnisvollem Eindringen in die Schöpfungen menschlichen Geistes überhaupt und zu geschichtlichem Denken erziehen zu können. Möge es uns gelingen unsere Zöglinge dabei anzuleiten, das zeitlich Bedingte von dem für alle Zeit Wertvollen zu unterscheiden und an jenen einfacheren, übersichtlicheren Verhältnissen das Auge zu schärfen für die so viel verwickelteren der Gegenwart; denn die Beschäftigung mit dem Alter- tum soll keineswegs verhindern, den Blick auch auf das moderne Leben zu lenken, sie soll aber jenen Takt und jene Rücksicht verleihen gegenüber dem historisch Gewordenen, die dafür bürgen, dass das überkommene Gute nicht leichtsinnig und vorschnell über Bord geworfen wird, um Neues an die Stelle zu setzen, bloß weil es neu ist. Eine Strömung der Zeit geht darauf aus, dieses durch Jahrhunderte bewährte Bildungsmittel in seiner Kraft und Ausdehnung möglichst zu beschränken, Wir stehen nicht an, unserer Ueberzeugung dahin Ausdruck zu geben, dass auf diesem Wege etwas Oberflächliches, etwas Unwahres daraus würde; denn wir halten es allerdings nicht für ein Zaubermittel, an dem man bloß zu nippen brauchte, um seine Wirkung voll zu verspüren; gerade darin liegt für uns der Segen, dass es erarbeitet werden will, um Kräfte zu wecken und Leben zu spenden.

Dass daneben moderne Bildungsmittel nach Kräften ausgenutzt werden sollen, würde schon der Lehrplan unserer Anstalt beweisen, die als Reform-Gymnasium von einer modernen Fremdsprache ausgeht, ihr als einziger drei Jahre lang im Verein mit der Muttersprache die sprachliche Schulung überlässt und ihren Schülern als erste fremdsprachliche Lektüre moderne Schriftsteller vorlegt. Die besondere Wichtigkeit, die sie von vornherein der deutschen Sprache zuweist, sei eine Gewähr dafür, dass sie auch eine Pflegestätte nationaler Erziehung sein will. Nur wenige Seiten habe ich hervorheben können von der vielseitigen Aufgabe, die unserer wartet, allerdings solche, die uns besonders am Herzen liegen. So viele wir indes übergehen können, zwei dürfen wir nicht vergessen:

Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang, das ist eine feine Klugheit, wer danach tut, des Lob währt ewiglich! Gerade wenn wir unsere Richtschnur von idealen Zielen nehmen, damit das Endliche nicht den Blick verengere, gerade dann müssen wir daran denken, dass jegliche Erziehung getragen sein muss von echter wahrer Frömmigkeit; ihr darf nicht nur der Religionsunterricht als Einzelfach dienen; in den Herzen der Lehrer muss jenes heilige Feuer brennen in stiller ruhiger Kraft; dann kann es mit Gottes Hilfe nicht fehlen, dass seine wärmenden Strahlen auch in den Herzen der Schüler die gleiche Flamme entzünden.

In derselben Weise möge sich betätigen als eine das ganze Schulleben durchdringende Kraft die Liebe zum Vaterlande. Die herrlichen Beispiele glühender Vaterlandsliebe, die das Altertum mit Stolz berichtet, sie werden ergänzt, wenn nicht übertroffen von denen aus der deutschen, aus der preussischen Geschichte, und an die kraftvollen, unvergänglichen Worte griechischer und römischer Dichter und Denker reihen sich gewiss nicht weniger wirkungsvoll die in unserer Muttersprache geprägten Mahnungen, bei denen deutsches Gemüt in der Seele des deutschen Jünglings um so zartere Saiten erklingen lässt: Ans Vaterland, ans teure, schliess dich an, das halte fest mit deinem ganzen Herzen! Wenn zu solchem Ziele die Erzieher in Schule und Elternhaus mit dem rechten Beispiele vorangehen, so werden unsere Zöglinge auch dereinst in der Stunde der Gefahr bereit sein ihre Vaterlandsliebe zu bewähren.

So möge es uns gelingen unsere Schüler zu Männern heranzubilden, die zu geistiger Selbständigkeit erzogen, erfüllt sind von echter Frömmigkeit, durchglüht von innigster Liebe zum Vaterlande.

Und dazu gebe uns Gott seinen Segen!

Hierauf überbrachte Herr Bürgermeister Geheimer Regierungsrat Grimm die Glück- wünsche des Magistrates. Er betonte, wie erheblich die Fortschritte seit Eröffnung des ersten staatlichen Gymnasiums(1888) in der Ausgestaltung der Schulen, in der Stellung ihrer Lehrkräfte, in der Vertiefung der Lehrmethoden gewesen seien; alle Frankfurter Anstalten hätten hierbei redlich mitgearbeitet. Das Gymnasium speziell habe sich seit Anerkennung der Gleichberechtigung besser seiner Eigenart gemäss entwickeln können. Die Stadtver- waltung erkenne dankbar an, dass die Kgl. Staatsregierung, insbesondere der Herr Ober-

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