Aufsatz 
1) Beschreibung des Schulgebäudes. 2) Bericht über die Einweihungsfeier
Entstehung
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hier getan werden soll. An euch muss sich zeigen und, wills Gott, bewähren der Geist, der an dieser Stätte herrschen wird.

In welcher Weise aber wir, denen es vergönnt ist an dem Aufbau der Anstalt mitzuwirken, unsre Pflicht als Lehrer und Erzieher erfüllen wollen, darüber ziemt es sich wohl in dieser Stunde eine kurze Betrachtung anzustellen. Die Richtschnur für unsere Tätigkeit wollen wir weniger von den mehr endlichen Aufgaben nehmen, die in der Schule unmittelbar gelöst werden können, sondern von jenen höheren Zielen, die unsre Zöglinge erst im späteren Leben mehr oder weniger vollständig, jedenfalls aber mehr oder weniger leicht er- reichen können, je nachdem die Schule sie dazu befähigt hat, ich meine jenes ideale Ziel, das wir als Aus- bildung einer Persönlichkeit zu bezeichnen pflegen. Wir glauben uns damit keineswegs auf die möglichst vollkommene Ausbildung des Einzelwesens an sich zu beschränken, sondern sind überzeugt, so auch die sozialen Aufgaben der Erziehung im Auge zu haben. Man hat ja mit Recht gesagt, dass nicht nur der beste, sondern überhaupt der einzige Weg zur Ausbildung der Persönlichkeit die Arbeit sei, und Arbeit gibt uns ständig Gelegenheit, ja zwingt uns oft dazu, gegen die vielen Ablenkungen des lieben Ich anzukämpfen; sie lehrt da- durch, die Selbstsucht besiegen, die Eigenliebe höheren Gesichtspunkten unterordnen, sich als dienendes Glied an ein Ganzes anschliessen.

Nicht jede Arbeit aber ist gleich geeignet zur Ausbildung der Persönlichkeit; eine notwendige Forderung ist, dass sie selbständig sei. Selbständigkeit, selbständige Stellung, oder da dies nicht auf allen Gebieten möglich ist, wenigstens die Fähigkeit sie zu erwerben, gehört ja zu den eigentlichen Merkmalen einer wirklichen Per- sönlichkeit. Selbständig muss also, auch auf der Schule, die Arbeit sein, die persönlichkeitsbildenden Wert haben soll. Wir dürfen nicht glauben, dieser Forderung schon genügt zu haben, wenn wir die Schüler den neu darzubietenden Lehrstoff, sei es eine grammatische Regel, ein mathematischer Lehrsatz, ein physikalisches Gesetz oder eine chemische Formel, selbst finden, gemeinsam mit ihren Mitschülern erarbeiten lassen, denn hier steht die Selbständigkeit noch zu sehr unter dem Banne des führenden Lehrers; wirklich betätigen kann sie sich erst bei der Anwendung, sofern sich diese nicht blind nach dem Vorbild richtet, sondern frei gestal- tend ihre Aufgabe bewältigt, weil sie das Gesetz beherrscht. Darum soll uns für den erzieherischen Wert von Anwendungsaufgaben in der Klasse wie zu Hause als Prüfstein gelten, ob mit gleicher Sicherheit jede beliebige andere Aufgabe gelöst werden könnte, die aus demselben Gesetz hervorgeht. Es bedarf keines Beweises, dass so auch die unmittelbaren Aufgaben der Schule aufs beste gefördert werden. Selbständige Arbeit kommt dem natürlichen Tätigkeitsdrang der Jugend entgegen, sie vermittelt am sichersten den Kern der Probleme, sie gewährleistet auch jene bleibende Freude am selbsterworbenen Besitz und vor allem die Freude an der Anwendung. Eine Arbeit, die aus eigener Kraft und mit dem Gefühl der Sicherheit geleistet werden kann, wird auch nicht als drückend, nicht als Bürde empfunden. Ein weiterer, nicht hoch genug zu veranschlagender Vorzug selbständiger Arbeit ist es, dass sie allein imstande ist, die Gestaltungskraft zu wecken und zu pflegen, und auf Gestaltungskraft beruht jedwede Herrschaft des Geistes über den Stoff. Durch sie sind die schögnsten Siege menschlichen Geistes erfochten; sie bringt dem Kämpfer die reinsten Freuden; denn sie bringt mit der Mühe zugleich den Lohn.

Ein Mensch, der von der Schulzeit an gewöhnt ist, seine Aufgabe selbständig zu erfassen und mit Verständ- nis zu lösen, wird dereinst auch mehr vermögen, denn bloss als braver Mann die Kunst, die man ihm über- trug, gewissenhaft und pünktlich auszuüben, er wird auch neuen Problemen gewachsen sein und an den Fort- schritten der Kultur an seinem Platze mitarbeiten können.

Glauben wir so eine der wichtigsten Seiten der Arbeitsweise berührt zu haben, so ist uns keineswegs gleich- gültig der Arbeitsst off, an dem sie sich üben und vollziehen soll. Ein Gymnasium soll dieser Bau beherbergen; durch klassisch-humanistische Schulung soll seine Jugend zu geistiger Selbständigkeit erzogen werden; wir sind weit davon entfernt bloße Nachahmung der Alten zu wünschen; verstehen und verarbeiten ist auch hier die Losung. Vielfach geändert im Wandel der Zeiten hat sich das Ideal der klassischen Altertumswissen- schaft, nicht weil es ihr je an fest umrissenem Ziele gemangelt hätte, nein weil sie vieles bringt, vermochte sie jedem Zeitalter eine Fülle zu spenden. So recht eine Bürgerin unserer Zeit nannte sie kürzlich eine hervor- ragender Schulmann wegen ihresStrebens nach unbefangen vergleichender Würdigung, wegen ihrer entwick- lungsgeschichtlichen Auffassung dessen, was die Alten gewesen sind und geschaffen haben. So muss sie auch in der Schule zur Geltung gebracht werden; so freuen wir uns, dereinst jener herrlichen Werke kraftvollster

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